Interessantes

Mehr
03 Aug 2008 00:53 #9177 von Late
Late antwortete auf das Thema: Re:Interessantes

Zur Abbildung (siehe letzter Link): Eine Versuchsperson, die 6,5 Jahre lang taub war, dann ein CI bekam und dann 3;8 Jahre Hörtraining hatte, erreichte bei einem Sprachwahrnehmungstest 90 % der erreichbaren Punkte (also \"CID scores\"); eine Versuchsperson mit CI-Versorgung nach 11,2 Jahren Taubheit und 1,4 Jahren Hörtraining erzielte 7 %; eine Versuchsperson, die 20,3 Jahre bis zur CI-Versorgung taub war, schaffte auch nach 1,9 Jahren Training nur 0 %.


Um Missverständnissen vorzubeugen:
Es geht in dem Text nicht um die Korrelation zwischen allgemeiner Taubheitsdauer und Sprachwahrnehmung nach CI Implantation, sondern, kleiner aber feiner Unterschied dem Alter von Taub geborenen Menschen und besagter Sprachwahrnehmungskompetenz. (Oder in Grenzfällen: Der Taubheitsdauer bei Ertaubung in den ersten 2 Lebensjahren--> Prelinguar)
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
03 Aug 2008 18:36 #9182 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Late,

danke für die wichtige Ergänzung. Ich habe in meinem vorletzten Posting deinen Hinweis, dass es sich um prälingual Hörgeschädigte handelt, jetzt stärker herausgehoben.

Ich habe aber trotzdem eine ganz kleine Korrektur: Es geht doch um Zusammenhänge zwischen Taubheitsdauer und Sprachwahrnehmungskompetenz, allerdings bei prälingual hörgeschädigten Menschen. Aus dem Artikel geht nicht hervor, wer von den Studienteilnehmern seit Geburt oder früh ertaubt ist. Aber alle sind von klein an hörgeschädigt, also bevor der Spracherwerb beginnen konnte (allgemein meint man damit, wie du auch schreibst, die Zeit vor dem 2. Lebensjahr). Somit entspricht die Taubheitsdauer der Studienteilnehmer entweder genau oder fast ihrem eigenen Alter. :)

Im Übrigen lässt die Studie für mich einige Fragen offen, es geht aus dem Artikel nicht hervor, in welcher Sprache (DGS oder Lautsprache) die Studienteilnehmer vorwiegend sprachen, ob sie vor der OP ein Resthörvermögen hatten, das mit Hörgeräten genutzt wurde usw. Auch geht aus dem Artikel nicht hervor, wie die Stoffwechselaktivitäten in der Hörrinde nach der CI-OP aussehen.

Es gibt aber weitere Studien mit ähnlicher Thematik, eine umfangreicher beschriebene ist z.B. die hier:

Cross-modal reorganization and speech perception in cochlear implant users (von M. E. Doucet, F. Bergeron, M. Lassonde, P. Ferron, F. Lepore)

Quelle: Brain, September 26, 2006

Ich habe das noch nicht gelesen, mal sehen, ob ich einen Zeitpuffer finde. Jedenfalls wurden da 13 CI-Träger untersucht, 7 davon (lautsprachlich orientierte Hörgeschädigte) konnten mit dem CI Sprache gut wahrnehmen, 6 (DGS-Anwender) schlecht, die haben allerdings auch sehr unterschiedliche Hörbiographien (siehe dazu auch die Tabelle auf S. 3). Für einen groben Überblick kann man die fettgedruckte Einleitung und die \"Conclusions\" (Zusammenfassung) am Schluss lesen.

Mir geht es hier nicht darum, was besser ist, DGS oder Lautsprache (meine Meinung kennt ja eh jeder ;)), ich finde es aber sehr interessant zu erfahren, was sich dann im Gehirn abspielt. Bzgl. zum Einfluss der Gebärdensprache auf das Gehirn gibt es auch noch ein Buch: \"Was die Hände über das Gehirn verraten\" (Ursula Bellugi).<br /><br />Beitrag geändert von: Gudrun, am: 03/08/2008 20:38

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
03 Aug 2008 19:05 #9183 von Toni
Toni antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Ich denke mal dass ist etwas schwierig zu vergleichen, eine holprige Übersetzung... hier

weiteres auch etwas daneben, dieses

aber man kann es lesen....:whistle:
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
04 Aug 2008 06:50 #9190 von Helga
Helga antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Gudrun,

ich danke Dir für Deine Mühe mit der Übersetzung.
Mich interessiert das alles sehr.
Z.B. auch, welche Auswirkungen das CI auf Geist und Psyche hat. Bei mir selbst beobachte ich, dass ich wesentlich freier, fröhlicher und selbstbewußter geworden bin.
Das war schon nach der ersten OP so und hat sich nun, nach bilateraler Versorgung noch mal gesteigert.

Freundliche Grüße

Helga

Schneidern ist meine Leidenschaft :-)

Bilaterale CI-Trägerin von Freedom
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
04 Aug 2008 23:01 #9199 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Toni, die Übersetzung des Textes ist ja witzig, vor allem \"arme Künstler\" für \"poor performers\" :laugh: (gemeint ist damit - frei übersetzt - die \"Gruppe mit niedrigem CI-Hörerfolg\"). Die Tabelle beinhaltet schon sehr viele Informationen, rechts sind Testergebnisse mit dem CI zu sehen. Ich habe schon versucht, vom Artikel einen Abschnitt zu lesen. Das ist gar nicht einfach, weil es ein ziemliches Medizinerenglisch ist. :blink:

Hallo Helga, auf deine Anregung hin (CI und Psyche) habe ich ein bisschen recherchiert und auf die Schnelle leider nur eine deutsche Studie gefunden, die in die Richtung geht:

Kontextfaktoren für eine erfolgreiche Rehabilitation Jugendlicher
und Erwachsener nach Cochlea-Implantation
(siehe auch Literaturliste mit weiteren Studien)

Die Studien, die ich noch fand, sind alle englischsprachig, ich habe sie mal in einem vielleicht besser passenden Thread von Pnin aufgelistet: Quelle <br /><br />Beitrag geändert von: Gudrun, am: 04/08/2008 23:35

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Dieses Thema wurde gesperrt.
  • Pnin
  • Pnins Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
01 Dez 2008 20:10 #12666 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Ich möchte kurz auf einen neuen, interessanten Artikel hinweisen:

Autoren:María Salud Jiménez, María José Pino, and Javier Herruzo

Titel: A comparative study of speech development between deaf children with cochlear implants who have been educated with spoken or spoken + sign language

Quelle: International Journal of Pediatric Otorhinolaryngology, in Press (2009) doi:10.1016/j.ijporl.2008.10.007

Zusammenfassung: Objective

To compare speech development following unilateral cochlear implant (CI) between a group of prelingually deaf children who have been educated exclusively using spoken language and another group who have used two languages (spoken and sign language).
Design

A simple group quasi-experimental design was used with a control group.
Methods

The sample comprised 7 girls and 11 boys, aged between 4 and 8 years old, who received a CI between the ages of 15 months and 5 years old. The sample was divided into two groups, G1—bilingual and G2—spoken language. In both groups, aspects such as speech intelligibility, receptive vocabulary, psycho-linguistic skills, adaptive behaviour and behavioural problems were measured.
Results

The children in Group 1 (bilingual) had better verbal and manual expression whereas those in Group 2 (spoken) achieved better results in terms of speech intelligibility, auditory reception and grammatical closure. These differences were confirmed statistically using Analysis of Variance. No significant differences were observed in relation to: receptive vocabulary, social and communicative skills, visual reception, auditory and visual association, visual closure and visual or auditory sequential memory.
Conclusion

The development of speech in these children is irrefutable; however, this study contributes a paradoxical element to the discussion: the bilingual group obtained better results in verbal fluency, hence these children should be able to evoke a greater number of words than those educated using just spoken language.

(Hervorhebungen durch mich).

Pnin
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 00:10 #12673 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallihallo,

als Nicht-Pädagogin, Nicht-Linguistin und Nicht-Medizinerin stell mal folgende gewagte These auf ;)

Ob und wie gut ein Kind in die Lautsprache kommt, hängt einerseits zu einem kleineren Teil natürlich davon ab, dass ein Kind überhaupt genug hört, um Sprache über das Ohr zu verstehen.

Der zweite und vermutlich noch viel wichtigere Punkt ist, die Eltern müssen sich KÜMMERN. In der letzten Schnecke mit dem neuen fürchterlichen Design, stand eine recht unpopuläre und völlig unzeitgemäße Forderung, dass Eltern hörgeschädigte Kleinkinder doch bitte schön recht lange zu Hause behalten sollen, und nicht schon früh in eine außerhäusige Ganztagsbetreuung geben sollen, einfach weil Kinder im Allgemeinen und hörgeschädigte Kinder im Besonderen Sprache am Besten in Eins zu Eins Situationen lernen. Ich muss sagen da ist etwas Wahres dran! Wohl den Kindern deren Eltern sich es leisten können, dass einer zu Hause bleibt, und die Eltern haben, die sich kümmern.

OB DGS dazu genommen wird oder nicht, ist vermutlich weniger entscheidend als die beiden oben genannten Bedingungen.

Letztens erfuhr ich wieder Mal wie es manchmal im hiesigen CIC abgeht. Da reisen Eltern an und haben den Sprachprozessor des Kindes nicht mal mit. Da reisen Eltern an, die geben das Kind beim Therapeuten ab und verschwinden im günstigen Fall mit den Kippen nach draußen, im ungünstigen Fall gehen sie stundenlang shoppen, natürlich ohne Kind. Und dann wundert sich einer, dass die Kinder trotz einem, manchmal auch zwei CIs nicht in die Sprache kommen???

Ein Glück, dass ich gute Eltern habe, die haben sich gekümmert.

M.E. sind alle Spracherwerbstudien für die Katz, solange man mal nicht endlich dabei geht und die Eltern beurteilt.

Gruß
Andrea
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 09:34 #12677 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Andrea,

finde Deine These nicht gewagt, ich kann Dir nur zustimmen. Wir haben auch den Eindruck, dass Mirko immer in den Ferien, wenn kein Kiga, kein Sport, keine Frühförderung, keine Freundbesuche stattfinden, einen sprachlichen Schub macht. Er bekommt dann eben den ganzen Tag direkte Ansprache. Er redet natürlich selber auch viel mehr, als zum Beispiel im Kindergarten.

Aber er braucht die anderen Seite natürlich auch. Spielen in der Gruppe. Sportarten ausprobieren, oder einfach die eine oder andere Stunde im Garten mit unseren Tieren verprimeln.

Wir versuchen beiden gerecht zu werden.

D.h. möglichst viel zu reden und zu lesen wenn er zu Hause ist. Im Auto wird immer vorgelesen oder gesungen oder besprochen was man so sieht.

Man hat echt ein schlechtes Gewissen die Zeit so ungenutzt verstreichen zu lassen, weil eben durch Kiga, + 1Tag Oma in der Woche und und und (s.o.) soviel Zeit schlecht genutzt (im Sinne der Sprachförderung) wird.

Ich glaube, das der sh-Kiga echt eine gute Alternative zum Regelkindergarten ist, weil die Kinder (hoffentlich) deutlich mehr direkte Ansprache bekommen. Der kommt für uns aber nicht in Frage, weil a) soweit weg, b) er ist dann ja noch weniger zu Hause.


Deine Erfahrungen im CIC kann ich leider nur unterstreichen.
Es gibt wirklich Eltern, die klönen, rauchen und erholen sich den lieben langen Tag, geben die Kids zu den Therapien ab und sprechen nur mal nebenbei mit den Kids um Anweisungen zu geben.

Ich finde das auch ganz schlimm. Glücklicherweise sind solche Eltern eher die Ausnahme.

Aber dieses Problem sehe ich eher als ein gesellschaftliches Problem. Bei behinderten Kindern ist es natürlich doppelt so schlimm, wenn sie solche Elgern haben.

Aber ich kenne auch ganz, ganz viele sehr engagierte Eltern.

Was mir noch einfällt zu dem Thema:
Ist die Aussage mancher Therapeuten. \"Sie sind nicht die Therapeuten, sie sind die Eltern.\"
Sprich: Wir sollen unser Kind genauso behandeln, wie die 3 Geschwister. Die Therapie machen die Therapeuten.

So ein Quatsch!!!! Als ob die in einer Stunde wöchentlich den Karren rumreißen können. Ohne ein engagiertes Elternhaus geht gar nichts!


Viele Grüße Andrea

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 10:16 #12680 von Mattea
Mattea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo an alle

Ich kann bei meinen beiden Vorschreiberinnen nur zustimmen.
Als Eltern von drei sh Kindern haben wir allles daran gesetzt das die Kinder sehr gut in die Lautsprache kommen.
Sie haben den Regelkindergarten besucht,ich bin mit Ihnen regelmäßig in die Logopädie gegangen, habe sie mit Kasetten und Radio und auch TV berieselt.
Bücher vorgelesen und immer wieder korrigiert.

Es hat funktioniert , und heute sind sie so perfekt in der Lautsprache das es garnicht auffällt das sh sind.

Der Einsatz war enorm aber lohnenswert.

Ich kenne viele Eltern die mit Ihren Kindern zu HG Kontrolle nur mal eben zum Akkustiker springen.
Da wírd sich garnicht die Mühe gemacht mit dem Kind halbjährlich oder jährlich zu einem guten Arzt oder eine gute Klinik zu gehen.
Eine gute Betreuung ist enorm wichtig und man kann sehr gut zweigleisig fahren.
Trotz das unsere Kinder in den Regelkindergarten gegangen sind , oder vielleicht gerade deswegen ,ich weiß es nicht,haben wir die Ansprüche der sh Schule voll in Anspruch genommen.
Wir haben die angebotene wöchentliche Märchengruppe besucht , auch dort regelmäßige Treffen mit anderen Eltern besucht.
Uns war es enorm wichtig das die Kinder in unserer hörenden Welt , aber auch in der Welt der sh und gl klar kommen.
Heute im Teenager alter bestehen die Freunde überwiegend aus gl uns hs.
Und das ist ok .
Sie entwickeln sich gut , und seid Theresa Ihr CI hat ,noch mehr.
Der neuste Stand der letzten (4.ten) Anpassung letzte Woche :
100% Zahlen; 95%Wörter und 90% Sätze.

Sie konnte gehörte englische Lückentexte ergänzen und es wurde auch mit dem Störgeräusche -Programm kommt sie perfekt klar.

Dieser Erfolg hängt auch mit der guten Sprachentwicklung zusammen.
Fakt ist doch das die Eltern,die sich nur auf andere verlassen , schlichtweg Ihre Kinder verlassen.
Denn die sind am Ende die Leidtragenden.

Schönen Tag noch

Mattea
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 10:31 #12681 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo,

hab mal versucht, den wichtigsten Teil zu übersetzen:

The children in Group 1 (bilingual) had better verbal and manual expression
whereas those in Group 2 (spoken) achieved better results in terms of speech intelligibility,
auditory reception and grammatical closure.
Die Kinder der Gruppe 1 (LS + GS) können sich besser verbale und gebärdend ausdrücken,
während die Kids der Gruppe 2 (LS) bessere Ergebnisse im Bereich der Sprachverständlichkeit,
beim Hören und im Umgang mit der Grammatik erreichen.


No significant differences were observed in relation to:
receptive vocabulary, social and communicative skills,
visual reception, auditory and visual association,
visual closure and visual or auditory sequential memory.
Keine signifikanten Unterschiede wurden beobachtet in Hinsicht auf:
rezeptiven Wortschatz, soziale und kommunikative Fähigkeiten,
visuelle Aufnahme, auditorische und visuelle Verbindung,
visuelle Geschlossenheit ??? und das visulelle oder auditorische Gedächtnis.






Conclusion
Schlußfolgerung
The development of speech in these children is irrefutable;
however, this study contributes a paradoxical element to the discussion:
the bilingual group obtained better results in verbal fluency, hence these children should
be able to evoke a greater number of words than those educated using just spoken language.

Die Entwicklung der Sprache bei diesen Kindern ist unwiderlegbar;
jedoch, diese Studie stellt ein paradoxes Element zur Diskussion:
die bilinguals Gruppe erreicht bessere Ergebnisse in der Redegewandheit, infolgedessen sollten diese Kinder
in der Lage sein, eine größere Anzahl von Wörtern zu benutzen , als jene welche nur lautsprachlich erzogen wurden .


Also ich versteh immer noch nur Bahnhof. Besonders die Schlußfolgerung erschließt sich mir gar nicht. Vielleicht ist
mein Englisch einfach zu schlecht

Kann mal jemand Licht in das Dunkel bringen und die Quintessenz der Studie mal deutsch zusammenfassen.

Viele Grüße Andrea

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
Dieses Thema wurde gesperrt.
  • Pnin
  • Pnins Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
02 Dez 2008 13:06 #12690 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Ein paar Anmerkungen.

Ich sehe in dieser Veröffentlichung ein Mosaiksteinchen - nicht mehr und nicht weniger. Viele Mosaiksteinchen ergeben schließlich ein (ganzes) Bild.

Der wesentliche Punkt ist meines Erachtens, dass diese Arbeit zeigt, dass die gleichzeitige Nutzung von CI und Gebärdensprache sich nicht negativ auf die sprachliche Entwicklung auswirkt, sondern möglicherweise sogar eher positiv. Diesem Punkt wird ja durchaus ab und an noch widersprochen.

Insgesamt zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild, so dass man also auch nicht einfach sagen kann: \"Unbedingt die Gebärdensprache dazu nehmen!!!\" Die Autoren schreiben:

The results of this study reveal that children who have used spoken and sign language from an early age achieve better results in aspects such as expression using hand gestures, comprehension of visual symbols and verbal fluency, an extremely important linguistic skill.

However, the children who communicated exclusively in spoken language outperformed the other group in terms of pronunciation, oral comprehension and the use of grammatical rules.

The fact that the children in the spoken language group were better able to use grammar and displayed better pronunciation is to be expected, since they are immersed in an exclusively oral environment. Similarly, it is not surprising that the bilingual children were able to express meaning using gestures. However, the unexpected and therefore somewhat paradoxical finding is this latter group displayed superior skills in terms of verbal fluency, since they were able to evoke a greater number of words using a picture as a stimulus, which might suggest a generalisation of verbal skills from sign language, learned earlier on, to spoken language.

CI clearly allow deaf children to hear and therefore promote the development of speech with only a minimal delay in relation to their age. However, it is very important to continue studying children with CI at the point when they should have achieved more advanced language levels, which require metalinguistic skills such as understanding metaphors. Furthermore, as indicated by Spencer et al. [21], sign language can be an important tool that facilitates communication when technical problems prevent the proper use of the CI, an occurrence that is still far too frequent.


Mit anderen Worten: Es kommt nicht nur darauf an, die Sprache zu hören, sondern auch zu \"verstehen\". Hier sind offenbar auch Fähigkeiten gefragt, die über das \"bloss\" audivite Wahrnehmen hinaus gehen und - offenbar - auch visuell vermittelt und erlernt werden können. Man könnte natürlich darüber spekulieren, dass der springende Punkt die \"Bilingualität\" ist und es letztlich zweitrangig ist, ob die zweite Sprache die Gebärdensprache oder eine zweite, Laut-Fremdsprache ist.

Interessant ist aber eben auch, dass die Gruppe der Kinder, die nur mittels gesprochener Sprache erzogen wurde, die bilungale Gruppe in einigen Teilaspekten des Spracherwerbs übertreffen. Besonders interessant finde ich, dass dies auch die Anwendung von Grammatikregeln betrifft! Unklar ist, wie sich das im weiteren Verlauf des Spracherwerbs auswirken wird.

Aus meiner Sicht ist es daher auch wünschenswert und notwendig, die DGS nicht nur zu fordern, sondern auch entsprechenden Konzepte für die Rehabilitation von Kindern (mit CI) zu erarbeiten (und auch den betroffenen Eltern die Möglichkeit geben, die Gebärdensprache zu erlernen).

Der Hinweis, dass die Eltern sich auch kümmern müssen, sich aktiv an der Rehabilitation beteilen sollen, ist ja richtig. Mir ist nur nicht klar, was das mit dem hier vorgestellten Paper zu tun hat. Es sein denn, man spekuliert darüber, dass Eltern, die Ihren Kindern neben der Laut- auch die Gebärdensprache anbieten, sich mehr um ihre Kinder kümmern, sich intensiver und aktiver mit der Behinderung des Kindes auseinandersetzen. Aber wie gesagt, ich halte dies für Spekulation.

Pnin
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 14:28 #12692 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Lieber Pnin,

da die Kinder für solche Studien i.d.R. aus CICs rekrutiert werden und da die Elternklientel ausgesprochen große Unterschiede aufweist. Insbesondere kann ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass etliche CI-tragende Kinder nur deswegen bilingual mit DGS aufwachsen, weil sie hochgradig hörgeschädigte oder gar gl Eltern haben und ich finde es dann schon gewagt, wenn man dann diese Kinder mit rein lautsprachlich orientierten Kindern aus hörenden Familien vergleicht. Nicht mehr und nicht weniger möchte ich sagen.

Ich persönlich glaube zwar nicht, dass DGS die Lautsprache behindert. Es könnte höchstens sein, dass das Erlernen der DGS den Eltern Resourcen abverlangt, die auf Kosten der LS-Förderung gehen. Aber wie gesagt, solange man bei Sprachstandsuntersuchungen nicht die Erziehung durch die Eltern klassifiziert, ist m.E. keine solide Aussage möglich und es kommt so etwas Wischiwasche raus, wie eben bei dieser Studie.

Gruß
andrea
Dieses Thema wurde gesperrt.
  • Pnin
  • Pnins Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
02 Dez 2008 14:54 #12694 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Andrea, ich möchte Dich nicht von Deinen Spekulatius abhalten. Allerdings interessiert mich, ob Dir oder anderen hier bekannt ist, wie die CI-Rehabiliation von Kindern in Spanien (dort wurden die Untersuchungen durchgeführt) organisiert ist? Du überträgst Deine Erfahrungen aus D auf ein anderes Land, von dem per se nicht bekannt ist, wie dort dieser Prozess organisiert ist. Das Paper gibt hier zugegebener Maßen leider keinerlei Auskunft - ein Manko! Im übrigen verweise ich noch auf Referenz 21 des obigen Papers - auch sehr interessant!

Pnin
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 15:23 #12697 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Ich bin ebenfalls davon überzeugt, daß die Eltern einen sehr großen Anteil an der Spracherziehung haben, wenn nicht den größten. Ohne Hören wird alles extrem schwierig, deswegen plädieren wir ja alle für das frühe CI, aber ohne Eltern (mal überspitzt gesagt) wird es ebenso schwierig. Den gesellschaftlichen Trend, die Kindererziehung so schnell wie möglich anderen zu überlassen, damit man sich beruflich verwirklichen kann, halte ich persönlich nicht nur für behinderte Kinder für fatal. Ich glaube sogar, daß eine gute Förderung zuhause selbst nicht ganz optimale Bedingungen, wie eine erst später erkannte Hörbehinderung etc. ausgleichen kann.
Ich fand den Artikel von den Martins in der Schnecke ausgesprochen mutig und gut.
Grüße von Silke
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 22:15 #12712 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Nur ganz kurz, ich kann mir kein Urteil zu dieser Studie erlauben,da ich dazu keine Details weiß. Aber die größte Schwäche von vielen Studien zum Sprachvermögen hörgeschädigter Kinder ist, dass die Analyse der sprachlichen Förderung zuhause usw. viel zu wenig untersucht wird. Allgemein ist es aber auch schwierig, so etwas zu analysieren, dazu müsste man die hörgeschädigten Kinder und ihre soziale Umwelt mehrere Wochen lang rund um die Uhr beobachten. Ich werfe den Wissenschaftlern NICHT vor, dass sie die Sprachförderung zu wenig unetrsuchen, ich werfe es ihnen aber vor, dass sie sich Urteile über das pro und contra der Art der sprachliche Förderung erlauben, wenn sie sie viel zu wenig untersucht haben und noch dazu auf diesem Gebiet keine Kompetenzen besitzen.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Dieses Thema wurde gesperrt.
  • Pnin
  • Pnins Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
02 Dez 2008 22:23 #12713 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Gudrun, ich kann nicht sehen, dass in der hier diskutierten Arbeit ein Urteil über das Pro und Contra gegeben wird. Vielleicht verweist Du mal konkreter auf Arbeiten, die Du meinst.

Pnin
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
02 Dez 2008 22:47 #12716 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Zu deinem ersten Satz, verweise ich auf meinen ersten Satz. ;) Zum zweiten Satz: Z.B. Szagun.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Dieses Thema wurde gesperrt.
  • Pnin
  • Pnins Avatar Autor
  • Besucher
  • Besucher
02 Dez 2008 23:02 #12717 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Wie hier über Studien debatiert, die offenbar keiner gelesen hat ...

Pnin<br /><br />Beitrag geändert von: Pnin, am: 02/12/2008 23:03
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
03 Dez 2008 01:37 #12720 von Late
Late antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Also ich finde den Teil den Pnin anfangs aus der Studie extrahierte interessant aber auch nicht wirklich überraschend.
DGS im frühen Kindesalter ist sicher der intellektuellen Entwicklung nicht abträglich, im Gegenteil. Schliesslich ist Kommunikation das A und O für derartige Entwicklungen. Selbst bei Frühversorgung mit CI kann die Entwicklung der LS und des Hörens nie so schnell sein wie im Normalfall. Gerade weniger gute (CI-)Performer könnten darunter leiden wenn keine alternative Kommunikationsform angeboten wird.
Und von daher ist es auch nur logisch das Bilingualität Lücken schliessen kann die wiederum u.U. auch zu einer verbesserten Entwicklung des Intellektes und der Sprache führen (können).


.
Dieses Thema wurde gesperrt.
Mehr
03 Dez 2008 08:52 #12723 von Manfred
Manfred antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo,

ich finde es auch nicht überraschend, dass Gebärdensprache helfen kann. Auch ohne eine Hörschädigung wird ja schon so etwas wie \"Babyzeichensprache\" verwendet, in Kursen angeboten und mit Büchern publiziert.

Die entscheidende Frage ist, ob die Eltern dies Möglichkeit nutzen (wollen) .
Das glaube ich eher nicht. Möglichkeiten dazu gibt es grundsätzlich.

Grüsse
Manfred
Dieses Thema wurde gesperrt.
Moderatoren: ChrisHSusanneHerms
Ladezeit der Seite: 0.338 Sekunden
Powered by Kunena Forum