Interessantes

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03 Dez 2008 09:00 #12724 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Manfred, warum glaubst Du nicht, dass die Eltern die Möglichkeiten der Gebärdensprache eventuell nutzen wollen? Wenn ich mich an diverse Dokumentationen erinnere (\"Wir sehen von einander\" etc.) hatte ich eher den umgekehrten Eindruck: Interesse wäre da, aber die Möglichkeiten sind eher beschränkt.

Pnin
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03 Dez 2008 10:54 #12726 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo,

Pnin da sprichst Du ein grundsätzliches Problem an, noch immer wird von Ärzten (wieso ausgerechnet, die in dieser frage Kompetenzen beanspruchen, ist mit schleierhaft) oder Frühförderern oft von Gebärdensprache abgeraten, weil das Kind ja hören und sprechen lernen soll. Auch die Auditiv-verbale Methode verzichtet grundsätzlich und ausdrücklich auf Gebärden und zumindest die Auditiv-verbal Erzogenen meiner Generation haben oft eine exzellente und exakte Aussprache: Man merkt aber auch, dass die üblichen Vernuschelungen, die Hörende zu pflegen eben nicht stattfinden.

Babysigning für hörende Kinder ist wohl ein von vielen Förderangebote und der eine oder andere wird es vermutlich auch nutzen. Um zu wissen wie viele müsste man ja nur mal KK fragen.

Ich habe seinerzeit auch die Studie von Frau Szagun gelesen und sogar deswegen einen Mailaustausch mit ihr gehabt und sie schreibt, dass sie eben nicht untersucht hat, wie und ob überhaupt die Eltern mit dem Kind sprechen. Und kann mich da Gudruns Kritik nur anschließen. Und auch bei der spanischen Studie, wird im Abstract mit keiner Weise erwähnt, nach welchen Kriterien die Kinder ausgewählt wurden. Wenn man da die sprachliche Umgebung des Kindes untersucht hätte, wäre das im Abstract erwähnt worden, das ist nämlich ziemlich aufwändig.

Ich persönlich möchte aus derartigen Studien nicht den Schluss ziehen, DGS müsste man unbedingt anwenden oder unbedingt unterlassen. Wichtig ist, das Kinder überhaupt eine Sprache besitzen und es gibt da noch immer einige beklagenswerte Kinder, die weder das Eine noch das Andere richtig können.

Gruß
Andrea
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03 Dez 2008 11:27 #12727 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo,

ich würde sogar soweit gehen, in solchen Studien zu unterscheiden ob die bilingualen Kids die GS

1. von Eltern die, die GS als Muttersprache haben,
oder
2. von Eltern die die GS auch erst lernen mußten,

gelernt haben.

Ich glaube nämlich, dass es sehr schwierig ist, mit einem Kind eine Sprache zu sprechen/lernen, die nicht meine Muttersprache ist. Und das Ergebnis sicher ein Anderes ist, als wenn die Eltern die GS als Muttersprache haben.

Viele Grüße Andrea

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
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03 Dez 2008 14:43 #12733 von maryanne
maryanne antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
\"Selbst bei Frühversorgung mit CI kann die Entwicklung der LS und des Hörens nie so schnell sein wie im Normalfall\"

schreibt Late.
Late, ich weiß nicht, ob du hierbei von geburts-gehörlosen Kindern ausgehst. Was Kinder betrifft, die guthörend geboren und im Säuglingsalter ertaubt und bds mit CI versorgt wurden, stimmt deine Aussage \"nie\" absolut nicht. Mir ist persönlich ein Kind bekannt, das nicht nur in die deutsche sondern auch gleichzeitig in die englische LS gekommen ist und eine excellente Hörentwicklung zeigt (besucht eine billinguale Regelschule, D + E).

Ich frage mich, wie ein Kleinkind mit CI in die Lautsprache kommen soll, wenn es gleichzeitig mit DGS und LS konfrontiert wird. Eltern werden in der Regel nur eine der beiden Sprache korrekt anwenden können (mit Ausnahme 1 Elternteil hörend, 1 Elternteil gl).
Die Unterschiede in der Grammatik sind groß.

Es kommt ja wohl immer auf den Einzelfall an!

Gruß
Maryanne
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03 Dez 2008 16:04 #12736 von Late
Late antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
maryanne schrieb:

Ich frage mich, wie ein Kleinkind mit CI in die Lautsprache kommen soll, wenn es gleichzeitig mit DGS und LS konfrontiert wird. Eltern werden in der Regel nur eine der beiden Sprache korrekt anwenden können (mit Ausnahme 1 Elternteil hörend, 1 Elternteil gl).
Die Unterschiede in der Grammatik sind groß.


Das ist eigentlich lange kein Thema mehr. Bilinguistik gibt es auch bei \"normalen\" Kleinkindern. Du sagts ja selber das dein Beispielkind (sicher ein sehr guter Performer und von daher nicht unbedingt ein Präzendenzfall) 2 Sprachen erlernt.
Wir müssen uns auf der Ebene verstehen das es unerheblich ist ob DGS oder Deutsch bzw DGS oder Englisch oder sonstwas gelehrt werden.
Eben deshalb weil DGS als Sprache verstanden werden sollte.
Und nicht als sprachschädigende u.U. minderwertige Alternativkommunikationsmethodik.

Auf dieser Ebene ist es egal ob Englisch, Deutsch, DGS, Französisch oder sonstwas gemischt gelehrt werden.

2 sprachig aufwachsende Kleinkinder können übrigens IMO oft beide Sprachen perfekt und sind eher auch zugänglicher für weitere Fremdsprachen also sprachintelligenter als einsprachig aufwachsende Zeitgenossen.
Begreift man DGS als \"Sprache\" kann man das natürlich entsprechend übertragen.

Late
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03 Dez 2008 19:15 #12749 von Manfred
Manfred antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Pnin, was hindert die Eltern denn (grundsätzlich) daran die DGS zu erlernen und anzuwenden ?

Zumindest in fast allen Städten werden DGS Kurse angeboten. Auf privatem Weg kann man auch in abgelegenen Gebieten die Sprache erlernen / praktizieren. In unserem kleinen ROW zB gibt es einen \"Gebärdensprachestammtisch\", den man regelmässig aufsuchen kann und durch den auch Kontakte für zuhause möglich sind.
Ich erinnere mich u.a. an den Film im Fernsehen ( wurde hier auch angekündigt), in dem eine gebärdensprachenkompetente Person zu dem Kind in die Wohnung kam und dem Kind die Sprache beigebracht hat.
Das Problem dürfte sein, dass hörende Eltern die Notwendigkeit nicht sehen und vor allem auch nicht selber dazu bereit sind, sich diesen Mühen zu unterziehen.
( War in dem Film übrigens auch erkennbar).

Babysigning wäre zudem ein guter Einstieg und auch recht unproblematisch zu erlernen.

Nach meiner Meinung kommt es ganz entscheidend auf den Willen der Eltern und ihre Bereitschaft zur Mitarbeit an.

Grüße
Manfred<br /><br />Beitrag geändert von: Manfred, am: 03/12/2008 19:18
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03 Dez 2008 20:35 #12752 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Nein Late,

Zweisprachlichkeit ist nicht für jedes Kind der richtige Weg. Die Mütter meine Patenkinder sind beide nichtdeutscher Herkunft, und haben einen akademischen Hintergrund und sind den ganzen Tag zu Hause. Die Eltern kümmern sich! Trotzdem ist in der einen Familie ein Kind (nicht behindert(!), das Sprachentwicklungsverzögerungen hat und mit diesem Kind wird jetzt nur noch Deutsch gesprochen, damit es wenigstens das gut lernt.

Gruß
Andrea
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03 Dez 2008 22:10 #12761 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Die Debatte würde zunehmend schwierig, beschränkte man sich, wie gefordert wurde, immer auf den Einzelfall. Natürlich ist der Mensch keine Maschine, dessen Verhalten sich immer und mit Sicherheit vorhersagen ließe. Es gibt aber doch gewissen Regelhaftigkeiten: Wer viel isst, wird dick und erhöht sein Risiko, einen Herzeninfarkt zu bekommen. Natürlich gibt es Gegenbeispiele, Ausnahmen. Wenn man aber immer nur den Einzelfall betrachten wollte, dann könnten wir Debatten wie diese hier gar nicht mehr führen, dann benötigen wir keine Wissenschaft - wir können uns auf das Austauschen von Erfahrungen beschränken, Verallgemeinerungen wären hinfällig und somit wären auch die Erfahrungen anderer für mich uninteressant, weil ich eben nicht von mir auf andere schließen kann.

Bezogen auf das Themas, das hier letztlich diskutiert wird, geht es um die Suche nach Regeln - besser Einflussfaktoren, die den Erfolg des CIs beeinflussen. Da wird von mir und Late (wenn ich den ganz frech mal ins Boot holen darf) die Meinung vertreten, dass Bilingualität sich durchaus positiv auswirken kann (Nein, Andrea, Late sprach nicht davon, dass Zweisprachigkeit für jedes Kind der richtige Weg sei. Er benutzte Vokabeln wie \"oft\". Eigentlich ist es eine anerkannte Erkenntnis der Pädagogik, dass Zweisprachigkeit (ebenso wie Musik) positiv für die geistige Entwicklung eines Kindes sein kann. In der Debatte um bessere Schulformen spielt dies häufig auch eine Rolle. Das bedeutet ja aber nicht, dass es für diese Regel auch Ausnahmen geben könnte - siehe Einleitung zu diesem Beitrag). Warum und wieso das gut sein kann, das hat Late schon recht gut erläutert, wird auch - sehr kurz - in dem oben erwähnten Artikel angeschnitten (der übrigens nicht der erste und einzige ist).

Ein weiterer Einflussfaktor ist sicherlich die Mitarbeit der Eltern. Ob er der \"wichtigste\" oder \"ganz entscheidend\" Faktor sein könnte, möchte ich nicht diskutieren! Ich bin mit solchen superlativähnlichen Formulierungen lieber vorsichtig, weil möglicherweise (implizit oder explizit) der Eindruck entstehen könnte, dass in Fällen, in denen das CI nur einen geringen Erfolg zeitigt, der Patient oder die Eltern nicht aktiv und ausreichend mitgearbeitet haben - auf gut Deutsch selbst schuld sind! Es mag Fälle geben, wo das zutrifft - mir persönlich ist das ganze Problem aber zu komplex, als dass ich momentan sähe, dass es so einfach Erklärungsmodelle geben könnte.

Manfred, wir haben offenbar die Filme anders wahrgenommen. Im Film \"Wir sehen voneinander\" von Lilo Mangelsdorf wurde von den Eltern meines Erachtens sehr deutlich gemacht, dass sie große Probleme hatten, geeignete Möglichkeiten zu finden, die DGS zu erlernen und sie letztlich in einer Kirchengemeinde für Gehörlose in Frankfurt fündig geworden sind. Im Film \"Betrifft: Nie wieder taub\" ist es richtig, dass da jemand zur Familie kam und Unterricht erteilte. Wie es zu dieser Lösung kam, wurde meiner Meinung nach nicht erzählt oder ich habe das vergessen. Insgesamt beurteile ich die Möglichkeiten für die Eltern tauber Kinder und auch für spätertaubte Erwachsene, die DGS zu erlernen, pessimistischer als Du. In diesem Thread schrieb Andrea:

Ich bin nicht der Auffassung, dass Eltern generell darüber aufgeklärt werden, dass die Gebärdensprache eine Alternative oder Ergänzung zum CI sein kann. Gut informiert sind doch nur die Eltern, die im Internet lesen und recherchieren und wissen wo sie suchen müssen.

Neben der Information, dass es die DGS überhaupt gibt und sie eine Möglichkeit darstellt, fehlt es meines Erachtens nach wie vor an geeigneten Konzepten, auch wie man die DGS gleichzeitig mit dem CI anwendet. Hier müsste meines Erachtens noch einiges an Forschung investiert werden (was der oben erwähnte Artikel auch kurz anreißt). Hinzu kommt, dass Gebärdenstammtische ja nett sind, aber nicht wirklich helfen - siehe dazu den bereits zitierten Beitrag von Andrea.

Pnin
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03 Dez 2008 22:13 #12762 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Liebe Leute,
ich verstehe ernsthaft nicht, warum immer wieder behauptet wird, es sei doch so einfach, gebärden zu lernen und den Leuten fehle es nur an gutem Willen. Ich finde das schon fast eine Mißachtung des Umstandes, daß auch die Gebärdensprache eine vollwertige Sprache ist. Niemand würde auf die Idee kommen zu behaupten, irgendjemand, der kein Wort französisch kann, sollte doch mal neben der Versorgung eines oder mehrerer kleiner Kinder zuhause in die Volkshochschule oder zu einem Französisch-Stammtisch gehen und könnte dann problemlos so mit seinem kleinen Kind französisch reden, daß das Kind diese Sprache dann fehlerfrei kann.
Babyzeichen? Hat für mich mit DGS so viel zu tun wie Kindergeplapper mit vollwertiger deutscher Lautsprache.
Nochmal: ich kann es mir absolut nicht vorstellen, mit meinem Kind in einer anderen Sprache zu reden als in meiner Muttersprache. Punkt aus. Deshalb rede ich mit meinem Kind (das schwerhörig ist) nicht in der Gebärdensprache. Die ich mich in früheren Zeiten übrigens mehrfach erfolglos bemüht habe zu erwerben.
Grüße von Silke
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03 Dez 2008 22:17 #12763 von Late
Late antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Pnin, ich wollte grad auf Andrea's Posting antworten.
Dann las ich das Deinige.
Besser kann man es IMHO nicht auf den Punkt bringen.

Late (Paddelschwingend ;) )


.
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03 Dez 2008 22:55 #12764 von maryanne
maryanne antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Ja, genauso wie Silke es schreibt meine ich es auch.
Wie sollen denn Eltern in aller Geschwindigkeit DGS erlernen, dass sie diese Sprache quasi sofort beim Kind einsetzen können?

Vielleicht ist es für (noch)nicht Eltern nicht so gut nachvollziehbar, dass die Kommunikation zwischen Eltern und Kind ein permanenter,
spontaner und emotionaler Prozess ist. Wie soll denn das gehen, wenn die Eltern erst wenig DGS können? Den Rest der Mitteilungen und sprachlich-emotionalen Austausche aufsparen, bis sie die richtigen Gebärden dafür können??? Und das Ganze zusätzlich zur lautsprachlichen Förderung, zur CI-Therapie?

Gruß
Maryanne
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03 Dez 2008 23:00 #12765 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Gegenfrage: Würde es nicht genügen, dem Kind immer einen Schritt voraus zu sein? Oder liest man bereits Säuglingen an der Wiege Kants \"Kritik der reinen Vernunft\" vor? Ich sehe - wie schon geschrieben - das praktische Problem, halte es aber für lösbar. Es stellt meines Erachtens keinen prinzipiellen Einwand dar.

Pnin
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03 Dez 2008 23:13 #12766 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Pnin,

sicher ist es machbar, WENN man genügend Ennergie reinsteckt. Einmal die Woche VHS wird garantiert nicht reichen, um dem Kind einen Schritt voraus zu sein. Und wenn man intensiv lernen möchte, muss man die Zeit dazu erstmals woanders abknappsen. Wobei dann aber evtl. wiederum die lautsprachliche Förderung leidet. Wenn man die Analogie zu Zweisprachlichkeit bei zwei Lautsprachen zieht, funktioniert die Zweisprachlichkeit ja auch nur dann, wenn eine enge Bezugsperson Muttersprachler ist und genau das ist in vielen Familien nun mal nicht gegeben.

Ich denke schon, dass man der DGS einen festen Platz im Baukasten der Hörgeschädigtenpädagogik haben muss. Es gibt Kinder, die brauchen die DGS auf jeden Fall. M.E. muss der Sprachstand hörgeschädigter Kinder häufiger und nach festgelegten Kriterien beurteilt werden und diese Erkenntnisse müssen auch Konsequenzen haben. Es gibt noch immer hörgeschädigte Kinder, die werden eingeschult und können weder Deutsch noch DGS. Und das darf nicht sein!!!

Gruß
Andrea
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03 Dez 2008 23:23 #12768 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Andrea, die Debatte dreht sich doch im Kreis, unter anderem weil wir zu wenig wissen über die Prozesse, die während des Hörerwerbs ablaufen. Essentiell ist doch die Aussage, dass die DGS nicht schadet, wenn man sie denn anwendet, weil man Lust, Zeit und Kraft dafür hat. Eltern, die so weit gehen, werden sicherlich auch darauf achten, dass die lautsprachliche Komponente nicht zu kurz kommt (Eltern, die nur die DGS beherrschen lassen wir jetzt mal aus der Diskussion heraus). Wichtig ist doch, was dem Kind hilft, nicht was für die Eltern bequem ist - sage ich jetzt mal bewusst überspitzt. Wenn es meinem Kind hilft, dass ich mich \"uff'n Kopp stelle und mid die Been wackle\" - nun gut, dann eben Kopfstand :woohoo: :blink: !

In diesem Sinne

Pnin
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04 Dez 2008 08:43 #12777 von Manfred
Manfred antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Pnin...

entschuldige, aber du übergehst sachliche Einwände und beschränkst dich nur auf die wissenschaftliche Darstellung.

Ich kann gar nicht herauslesen, dass hier jemand mitschreibt, der grundsätzlich ( also nicht im Éinzelfall) etwas gegen die (wissenschaftliche) Erkenntnis hat, dass Gebärdensprache den Hörerwerb mit dem CI unterstützen kann.

Vielmehr ist die Frage, wie man das in die Praxis umsetzen kann, wenn es denn von den Eltern überhaupt gewollt wird.

Und ich bleibe dabei : die Eltern spielen die absolut entscheidende Rolle in diesem Moment.

Das trifft schon auf die Entscheidung \"CI ja oder nein\" , in welche Klinik gehe ich, wie mache ich die Frühförderung, die Anpassung, die REHA ... zu. Nur die Eltern entscheiden das.

Der Punkt \"unaufgeklärte Eltern\" können wir auch nicht lösen . Da müssen sich die Eltern schon selber kümmern . Und Möglichkeiten sehe ich dazu genug.

Man muss auch gar nicht erst die Frage stellen, inwiefern das Bestandteil einer ( von den KK bezahlten) Anpassung sein könnte. Dort wird zB mit der Ferneinstellung schon jetzt der Pädagogikanteil gestrichen. Ganz zu schweigen davon, dass man evtl noch Gebärdensprache mit anbieten sollte. Zumal die Pädagogen über solche Fähigkeiten gar nicht verfügen.

Der alles entscheidende Punkt ist die Frage, ob die Eltern das wollen und ob sie das mitmachen.
Das wurde hier nun schon mehrfach , auch aus praktischer Erfahrung, dargestellt.
Gebärdensprache ist nun mal eben nicht im handumdrehen zu erlernen . Schon gar nicht mit einem VHS-Kurs, der noch neben der sonstigen familiären Belastungen ( u.a. auch die Babybetreuung) zu absolvieren wäre.

Du solltest denn schon darstellen, wie du dir die praktische Lösung vorstellst.

Grüße
Manfred
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04 Dez 2008 09:08 #12778 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Pnin,

Auch wenn Du es überspitzt darstellst. Du machst es Dir hier echt zu leicht.

Zum Einen ist mir die Aussage dass das Erlernen der DGS nicht schadet schon zu allgemein. Mein Junior ist dabei, Deutsch zu lernen und dabei ungefähr im Gleichstand mit seiner 2 Jahre jüngeren Schwester.
Er kommt in 1 1/2 Jahren zur Schule und sollte bis dahin natürlich sattelfest Deutsch beherrschen. Das Erlernen einer Fremdsprache bewirkt zumindest in der Anfangsphase, daß der Spracherwerb beider Sprachen in der Regel etwas langsamer erfolgt, als das Erlernen einer nur einer Sprache. Des weiteren kommen viele Kinder vorrübergehend in ein Phase, wo sie beide Sprachen mischen.
Dafür haben wir schlichtweg keine Zeit.
Deshalb möchte ich meinem Sohn nicht DGS anbieten, sondern LBG. Da kann ich nicht soviele Fehler machen, weil es ist eben nicht meine Muttersprache und er (besser wir) wird/werden nicht durch eine zusätzliche Grammatik belastet.

So und nun zum Thema \"bequem\". Ich finde diese Unterstellung, wenn auch überspitzt formiliert, eine bodenlose Frechheit für alle engagierten Eltern.

Ich habe 4 Kinder, Viecher, Haus und Job (die letzten 3 Dinge sind für das Wohl der Kids ja auch nicht unerheblich).
Wir lesen unheimlich viel, sprechen, erklären, sprechen, erklären
Sachthemen, Geschichten, Märchen ect., dazu Freunde besuchen, Sport treiben usw..
Mein Tag hat ziemlich genau 24 Stunden. Ich versuche LBG zu lernen und in den Alltag einzubinden, weil der Junior ist nunmal GL und soll auch Zugang zu anderen GL bekommen. Zusätzlich sind wir in \"nicht CI-Situationen\" nicht so hilflos. Desweitern soll er später die Möglickeit haben, sich ohne Zwänge in der Gl als auch in der hörenden Welt zurechtzufinden.

Du hast recht, wichtig ist, was dem Kind hilft, aber auch was die Eltern überhaupt zu Leisten im Stande sind.

Viele Grüße Andrea

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
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04 Dez 2008 09:08 #12779 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
gelöscht, weil doppelt<br /><br />Beitrag geändert von: andrea_gordon, am: 04/12/2008 09:10

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
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04 Dez 2008 09:55 #12783 von andrea_gordon
andrea_gordon antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Manfred,

Du hast genau das theoretisch untermauert, was ich mit meinem Ausflug in die Praxis sagen wollte. Es ist eben alles nicht so einfach, auch nicht bei großem Einsatz der Eltern.

Viele Grüße Andrea

Mirko 1.CI 2007, Revision 2008, 2.CI 2010
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04 Dez 2008 10:29 #12784 von Pnin
Pnin antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
@Manfred: Entschuldige, aber ich kann nicht erkennen, dass ich auf Deine Einwände nicht einginge. Ich habe sachlich dargestellt, dass ich die Darstellung des Themas in den angesprochenen Dokumentationen anders erinnere. Ich habe dargestellt, dass ich die Möglichkeiten des Erlerns der DGS wesentlich kritischer sehe als Du. Ich habe dargestellt, dass ich sehr wohl das praktische Problem sehe, all die Anforderungen, die sich bei der Betreuung eines hörbehinderten Kindes ergeben (Diagnose, Training, Entscheidungsfindung zusätzlich zum Alltag, etc. pp) sehr wohl sehe. Vielleicht liest Du noch mal meine Beiträge.

Wenn doch offenbar ein Konsens darüber herrscht, dass die Gebärdensprache bzw. Gebärden hilfreich sein können, dann hat man hier doch eine gemeinsame Gesprächsgrundlage. Wo ist das Problem? Keiner hat gefordert, die Gebärdensprach zu einem \"Muss\" in der Rehabiliation zu machen! Keiner hat gefordert, alle Eltern sollten Gebärden erlernen!

Dass vieles in der Praxis schwieriger ist als in der Theorie ist ja eigentlich keine neue Erkenntnis. Wird deshalb die Theorie falsch?

Meines Erachtens hat das hier diskutierte Problem zwei Ebenen: Eine wissenschaftliches und ein praktische (wobei der wissenschaftliche Aspekt ja nicht nur für sich genommen interessant ist, sondern irgendwann ja auch in eine praktische Umsetzung münden soll).

Andrea, mir war klar, dass meine Äußerung mißverständlich sein könnte. Mir ging es auch nicht darum, engagierten Eltern vor das Schienbein zu treten. Sollte dies unbeabsichtigter Weise doch geschehen sein, tut mir dies Leid. In den diversen Beiträgen (einen habe ich oben zitiert) wird aber auch deutlich, dass nicht alle Eltern von Kindern mit CI und alle CI-Träger aktiv an der Rehabilitation mitarbeiten. Mir ging es auch darum, die Perspektive klar zu machen: Wichtig ist das Kind! Und wenn Dinge sinnvoll sind, die aber von den Eltern nicht geleistet werden können, dann ist zu fragen, ob hier nicht die Gesellschaft gefordert ist! Meines Erachtens ist dies auch eine Aufgabe der Gehörlosengemeinschaft, die zwar immer dafür plädiert, dass die DGS genutzt werden solle, wo ich aber momentan nicht sehe, dass hier wirklich ausgearbeitete Konzepte vorliegen (oder auch nur Ansätze).

In Deinem Beitrag sprichst Du an, dass Du für Deinen Junior inzwischen auch die LBG erlernst - und weist damit auf einen wichtigen Aspekt hin, der in den bisherigen Arbeiten zum Thema nicht klar wurde: Wenn dort von \"sign language\" gesprochen wird, was ist genau gemeint - DGS oder LBG? Gibt es in anderen Ländern überhaupt diese zwei Formen (in Amerika meine ich ja)? Welche Rolle spielen die Gebärden in dem Lernprozess? Usw. usf.

Ich sehe - wie schon geschrieben - die praktischen Probleme, halte sie aber für lösbar. Sie stellen meines Erachtens keinen prinzipiellen Einwände dar. Mit dem Hinweis auf die Arbeit geht es mir darum, ein Mosaiksteinchen zu einem Gesamtbild beizutragen und Vorurteile gegenüber der DGS (oder Gebärden allgemein) abzubauen. Ich maße mir nicht an, einen Königsweg zu kennen.

Pnin
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04 Dez 2008 11:21 #12786 von maryanne
maryanne antwortete auf das Thema: Re:Interessantes
Hallo Pnin,
sicherlich werden die Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern NICHT über philosophische Themen kommunizieren, dennoch werden die Grundlagen für die Komplexität der Sprache tatsächlich im sehr frühen Lebensalter gelegt. Dazu gibt es reichlich fundierte Untersuchungen seit vielen Jahrzehnten. Da reicht es nicht, als Eltern dem Kind einen oder auch nur 5 Schritte voraus zu sein.
Ein Kind, das mit elaboriertem Sprachcode aufwächst, ist in der Regel im Alter von 3 Jahren in der Lage, Differenzierungen vorzunehmen und anzuwenden (z. B. Baum: Weihnachtsbaum,
Tannenbaum, Eiche, Birke oder auch Fahrzeug: Auto (PKW, LKW, Bus) Bagger, Flugzeug ...
Wie sollen Eltern, die ja hinreichend zu tun haben über die übliche
Pflege und Erziehung hinaus, mit Frühförderung, Klinik- und Arztbesuchen, dann noch DGS schnell und gründlich lernen UND
ständig im Kommunikationskontakt mit DGS-Anwendern (GL) pflegen? Das dies im Einzelfall möglich ist, mag sein. Aber ich halte es für sehr zweifelhaft, dass mit diesem Schrittchen voraus dem Kind eine differenzierte Sprache (wie es z. B. die Muttersprache der Eltern ist) zu vermitteln.
Letztendlich entscheiden die Eltern, und wenn keine Alternative zu DGS besteht, ist diese sicherlich ein Weg. Aber m.E. keine Alternative zur CI-Versorgung UND lautsprachlichen Förderung.
Letztere hat es auch in Vor-CI-Zeiten gegeben, und diejenigen Erwachsenen, die das Glück hatten,(früher) lautsprachlich erzogen worden zu sein, profitieren heute vom CI.

DGS kann man ja immer noch lernen.

Gruß
Maryanne
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