Ich bitte um Eure Hilfe

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20 Okt 2011 12:42 #23478 von Sigrid
Sigrid erstellte das Thema Ich bitte um Eure Hilfe
Ich möchte in einem anderem Forum gewisse Eigenheiten/ Merkmale beschreiben und so den Mitgliedern näher bringen.

Ich weiß nicht, ob man überhaupt Eigenheiten sagen kann.

Es geht um die Rechtschreibung / Ausdrucksweise bei hochgradig Schwerhörigen oder Gehörlosen.

Kann mir jemand Beispiele nennen, wie an Gehörlosenschulen das Schriftdeutsch vermittelt wird?
Vielleicht noch mit entsprechendem Link?

Warum die Sätze teilweise so " abgehackt " sind, daß man teilweise ein Problem damit hat, sie überhaupt zu verstehen.

Ich weiß, ich habe diese Frage schon einmal gestellt, aber da ging es um reine Unwissenheit bei mir selber.
Ich selber bin ja erst spät ertaubt und habe die Schulausbildung ganz " normal " durchlaufen.

Jetzt ist es aber so, daß es Menschen gibt, die verbal unter die Gürtellinie gehen bezüglich der Ausdrucksweise.
Und das stört mich ganz ungemein.

Denen möchte ich einfach erklären, was es insgesamt mit dem ganzen Problem Hörgeschädigt auf sich hat.
Wie sich das in der Schule auswirkt, später im Beruf, im Briefe schreiben.

Ich hoffe, Ihr könnt verstehen, was ich bezwecke.

Ich danke Euch schon einmal für Eure Hilfe.

Darf ich eventuell diese Links von Euch dann in dem anderen Forum rein kopieren?

Gruß Sigrid

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20 Okt 2011 12:56 #23479 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe
Hallo,

ich nehme mal an, dass Du das typische DGS-Deutsch meinst. DGS hat eine andere Grammatik als die deutsche Schriftsprache. GL Kinder (hörender ELtern) waren schon in frühester Kindheit schwer im Nachteil. Denn den Eltern wurde von Gebärden abgeraten. Folglich gab es keine Wissenvermittlung und keine Bildung. Das in den GL-Schulen im Unterricht auch nicht gebärdet wurde, hat die Sache nicht verbessert. Wieviel gl Einsteins dadurch wohl verkümmert sind?

Heute sind dank CI weniger Kinder auf DGS angewiesen. Und in Schule wird heute auch eher mal Gebärden zugelassen. Es gibt hier und da Lehrer, die gebärden können, was ja schon ein Skandal in sich ist, dass DGS nicht verpflichtend ist.

Gruß
Andrea

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20 Okt 2011 16:09 #23481 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe

Sigrid schrieb: Ich möchte in einem anderem Forum gewisse Eigenheiten/ Merkmale beschreiben und so den Mitgliedern näher bringen.


Hallo Sigrid,

bitte unterlasse solche Sachen, bevor Du nicht EINE Meile in den Mokkassins der Gehörlosen mitgegangen bist, die in der DGS zu Hause sind und die ihre Sprachkultur pflegen und lieben. Sonst verurteilst Du sie in jedem Fall - einfach, weil Du sie nicht wirklich kennst und es wird IMMER ein Konfrontationskurs bleiben.

Sigrid schrieb: Kann mir jemand Beispiele nennen, wie an Gehörlosenschulen das Schriftdeutsch vermittelt wird?
Vielleicht noch mit entsprechendem Link?


Nein! Weil es an jeder Schule je nach Schüler und Schulkonzept und Lehrer und Lehrplan anders gehandhabt wird!

Sigrid schrieb: Warum die Sätze teilweise so " abgehackt " sind, daß man teilweise ein Problem damit hat, sie überhaupt zu verstehen.


Wenn Du DGS könntest, könntest Du die Sätze prima verstehen! ;)

Sigrid schrieb: Ich selber bin ja erst spät ertaubt und habe die Schulausbildung ganz " normal " durchlaufen.


Eben! Du bist spätertaubt und warst an der Regelschule! Du hast auch NICHT das "Evangelium" für die Gehörlosen, bitte vergiss das nicht! Das ist vorverurteilend...

Sigrid schrieb: Denen möchte ich einfach erklären, was es insgesamt mit dem ganzen Problem Hörgeschädigt auf sich hat.
Wie sich das in der Schule auswirkt, später im Beruf, im Briefe schreiben.


"denen" ist sehr abfällig... - bitte hör auf mit diesem Grabendenken! - Und bitte vergiss nicht: Gehörlose Erwachsene wissen sehr wohl, wie es ist, im Beruf als Gehörloser zu leben. Wie kommt es dann, dass sie trotzdem so um ihre Sprache und Kultur kämpfen? Gibt Dir das nicht ein bisschen zum Nachdenken?

Grüßle
Maike, die die DGS liebt und schätzt und für die die DGS Teil ihres Lebens ist, obwohl sie lautsprachlich aufgewachsen ist.

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20 Okt 2011 16:22 #23482 von Rosemarie
Rosemarie antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe
Liebe Maike,
Hab Dir grad eine PN geschrieben. Liebe GRüße, Rosemarie.

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20 Okt 2011 16:35 - 20 Okt 2011 16:46 #23483 von Arno73
Arno73 antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe
Hallo Sigrid,

ich kann selber auch nicht ganz perfekt Deutsch schreiben. Ich mache bei jeden "amtliches" schreiben sehr schwer, dies selber fehlerfrei zu schreiben.
In meiner Schulausbildung für hochgradig Schwerhörige in den 80iger Jahre waren an erster Linie hören-verstehen-lernen und richtig-sprechen-lernen am wichtigsten. Da war die Grammatik damals im Unterrichtsstoff leider weniger wichtig. So wie ich jetzt schreibe, hatte meine Lehrer im Unterrichtsfach Deutsch sogar Note 1 oder 2 bekommen, also es wurden zu lasch benotet.

Noch krasser sind die meisten Gehörlosenschulen in den 70iger oder 80iger Jahre, da Gehörlosen für die Unterrichtsstunden unbedingt Gebärdensprache benötigten um alles zu verstehen zu können, wurden damals ausgerechnet verboten oder sehr selten eingesetzt. Es wurden alles "oral" unterrichtet, d.h. die Gehörlosen, die gar nicht hören können, müssen zwanghaft Lippen ablesen und das war enorm anstrengend. Viele Gehörlosen werden schon nach erster Stunde k.o., um das alles Lippenablesen zu müssen...dann kriegen die weitere Unterrichtstunden nicht mehr viel mit. Daher ist die Mangelbildung vieler Gehörlosen damals und schreiben auch sehr brückstückhaftes bzw. sehr chaotisches Schriftdeutsch. Schuld war die damalige, stur festgehaltene und veraltete Schulbildung (nach Mailänder Kongress 1880 -> Orale Schulunterricht für Gehörlosen / Verbot Gebärdensprache)....noch heute weigern einige Gehörlosenlehrer/innen die Einsatz der Gebärdensprache! (-> für mich skandalös!)...

Deshalb möchte ich dir Sigrid raten: Respektiere die Gehörlosen bzw. taubheit-grenzende Schwerhörige, die schwierigkeiten haben mit schriftdeutsche Sprache!

Von Geburt an taubheit-grenzend Schwerhörig.
07.2010 L: MED-EL SonataTI100 / EA 9.2010
10.2011 R: MED-EL SonataTI100 / EA 11.2011
Letzte Änderung: 20 Okt 2011 16:46 von Arno73.

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20 Okt 2011 17:28 #23485 von Sigrid
Sigrid antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe
Maike, ich glaube, ich bin vollkommen mißverstanden worden.

Ich möchte doch keinen vorführen.Auch nicht vorverurteilen.

Mir ging es einzig und allein darum, daß ich es nicht in Ordnung finde, wenn jemand verbal dumm angemacht wird, weil er eben aufgrund seiner Hörbehinderung eine andere Form des Schriftdeutschen hat.

Mit "denen" ist vielleicht falsch ausgedrückt. Dafür möchte ich mich entschuldigen.
Damit war auch kein hörgeschädigter Mensch gemeint, sondern die bzw. derjenige, der sich verbal daneben benommen hat.

Einem hörgeschädigten Erwachsenen muß ich nicht mitteilen, wie es im Berufsleben ist.
Das weiß er bestimmt selber.

Mir ging es mehr darum, es einem hörenden Menschen zu erklären.

Aber es tut mir leid, daß ich es wohl falsch angefangen habe mit meiner Frage.

Von mir aus kann meine Frage gern als abgeschlossen betrachtet werden und bedanke mich für die Antworten.

Sigrid

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20 Okt 2011 20:57 - 20 Okt 2011 20:59 #23487 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Ich bitte um Eure Hilfe
Hallo Sigrid,

Rosemarie hat mich "aufgeklärt" - so, wie es aussieht, habe ich Dich tatsächlich missverstanden. Doch Dein Eingangsposting war nicht klar genug für mich - bzw. nicht verständlich genug. Deine Intention kam nicht raus...

An alle: Gemeint war wohl, dass ein Hörender nicht nachvollziehen konnte, warum Gehörlose im Schriftdeutschen bisweilen nicht so sattelfest sind. Diesem Hörenden wollte Sigrid das erklären bzw. Verständnis für die Gehörlosen erreichen.

So sieht es völlig anders für mich aus und ich weiß jetzt, wie Du es gemeint hast, Sigrid.

Hmmm - das ist schwierig bis sinnlos, Hörende, die evtl. sogar böse Worte über einen Gehörlosen, der zwar den Mut hat, sich schriftlich zu äußern, es jedoch grammatikalisch für Hörende nicht einwandfrei macht, aufklären zu wollen. Denn entweder sind die Hörenden offen Gehörlosen gegenüber und haben einen gesunden und akzeptierenden Respekt ihnen und ihrer Kultur und ihrer Geschichte gegenüber - oder aber sie (= die Hörenden) haben selber ein Problem mit sich selbst, wenn sie die Andersartigkeit anderer nicht oder kaum akzeptieren können.

ich habe mal einen sehr interessanten Artikel über Fremdenfeindlichkeit gelesen (leider weiß ich nicht mehr wo...): darin heißt es: Wenn jemand sich selbst, so, wie er ist, akzeptiert und mit seinen Grenzen und Möglichkeiten realistisch genug einschätzen kann, dann wird es ihm auch leicht fallen, andere Menschen in ihrer Andersartigkeit (egal ob von der Farbe oder Herkunft oder Religion oder...) zu akzeptieren.

Somit scheint ein Hörender, der nur böse Worte für einen Gehörlosen, der der Schriftsprache nicht den Hörenden adäquat ebenbürtig ist, wirklich ein Problem mit sich selbst und seinem Menschenbild zu haben. Mit solchen bornierten Leuten diskutiere ich schon lange nicht mehr - für mich irgendwie Zeitverschwendung.

ich würde dir den Tipp geben: Den Hörenden zu "verwarnen", d.h., falls er nicht bereit ist, dem Gehörlosen mit Respekt und Würde zu begegnen und ihn zu akzeptieren, wie er sit. Falls der Hörende das nicht schafft, sondern ihm weiterhin mit bösen Worten traktiert (d.h. abfällig - diskriminierend - achtlos - nicht wertschätzend) - dann muss er selber aus dem Kreis (egal wo) ausgeschlossen werden, denn der Respekt und die Achtung voreinander (egal ob gehörlos oder hörend oder sonstwas) gehört zur allgemeinen Etikette von Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft und ist das Mindeste, was wir voneinander erwarten dürfen, wenn gelingendes Miteinander ermöglicht werden soll...

Grüßle
Maike
Letzte Änderung: 20 Okt 2011 20:59 von Maike.

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