Bayern - Inklusion? – Illusion!

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19 Dez 2011 10:04 - 19 Dez 2011 10:07 #23756 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
70000 Euro Jahreseinkommen mal 30% Abgaben mal 40 Jahre Berufleben sind noch immer weit unter 1,2 Millionen.

Rechnen kann K. wirklich nicht, stellt A. fest.
Letzte Änderung: 19 Dez 2011 10:07 von andrea.

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19 Dez 2011 10:47 #23757 von Knight
Knight antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Und A. kann nicht lesen. K. hat nie behauptet, dass es sich rentiert!!!! Soll es das denn unbedingt?

K.

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19 Dez 2011 12:25 #23758 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Die Frage müssen wir uns stellen, wie man Inklusion in Zeiten begrenzter finanzieller Resourcen auf die Beine stellen kann. Es kann m.E. nicht sein, dass eine Kommune oder Landkreis sich wegen einer einzigen Person hoch verschulden muss.

Z.B. handelt es sich hier um zwei Mädchen, die offenbar gemeinsam im KiGa waren, warum können sie denn dann nicht gemeinsam in eine Schule gehen, dann wären die Kosten schon mal halbiert und keine müsste sich als Einzelkämpferin durchbeißen.

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19 Dez 2011 15:01 #23759 von maryanne
maryanne antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Ohne im Einzelen auf die hier zur Sprache gebrachte Sachlage (von der die meisten ebenso wenig Genaues wissen wie ich) einzugehen, bedanke ich mich bei Andrea, die die Kosten- und Machbarkeitsseite der Inklusion zur Sprache gebracht hat.
Ich habe stillgehalten, als alle nach Inklusion riefen - einfach weil ich sie mir in der Praxis nicht vorstellen kann.Es gibt zahlreiche gute Schulen für hörbehinderte Kinder, mit besonders geschulten Lehrkräften. Ähnlich sieht es aus für blinde, körperbehinderte und lernbehinderte Kinder.
Wie kann es denn funktionieren, Klassen zusammenzustellen, in denen neben nichtbehinderten Kindern andere mit verschiedenen Behinderungen untergebracht werden. Ist das von Vorteil für die behinderten Kinder? Es fällt mir schwer, mir das praktisch vorzustellen.
Natürlich sollen Regelschulen behinderten Kindern nicht vorenthalten bleiben, allerdings müsste sich über die Finanzierung von Dolmis usw. Gedanken gemacht werden bzw. der Bedarf genau gecheckt werden.

maryanne
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19 Dez 2011 19:08 #23761 von KarinKestner
KarinKestner antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Eieiei :-I

Frag mich doch, wenn ihr was wissen wollt... :-)
Also - auch ich musste die Erfahrung machen, dass Maike nichts sagt. Stimmt, war dumm von mir zu fragen, wie viele Pädagogen in Ausburg wirklich gebärdensprachkompetent sind. Aber das ist kein Problem, es gibt andere, die es wissen.

Die beiden Kinder wohnen 100 km auseinander, sind auch nicht in einen gemeinsamen KIGA gegangen. Die eine Familie war ein paar mal in Augsburg in der SVE. Kinder wollen ihr Recht wohnortnah beschult zu werden - ihren Fähigkeiten entsprechend zusammen mit ihren Freunden.

Kein Mensch streitet ab, dass es teuer ist. Doch warum muss es teuer sein? Weil es so wenige Pädagogen gibt, die DGS beherrschen. Wessen schuld ist das? hmmm

Warum kann man nicht mehr Kinder in einer Klasse unterbringen? Weil es nur noch vereinzelt gl Kinder gibt, die auf DGS angewiesen sind und es von zuhause gelernt haben. Tja, der Segen der Technik - gehörlose Kinder mit CI werden nun mal nicht in DGS erzogen. Aber für die wenigen gl Kinder wird jetzt die Luft in Bayern dünn. In NRW geht es problemlos - mit Dolmetscher und einer Lehrerin aus dem FZ.

Viele Grüße
Karin

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19 Dez 2011 19:53 #23762 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Was die Kosten für Inklusion betrifft, müssten einfach immer mehr Kinder wohnortnah beschult werden, so dass eine Reihe von Sondereinrichtungen samt ihrer Ausstattung überflüssig werden. Der Bau eines ganzen Schulhauses samt Grundstück und Ausstattung ist ja auch nicht ohne.

Kosten sind kein Argument gegen Inklusion. Inklusion kommt allen zugute.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links

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19 Dez 2011 20:37 #23763 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Liebe Gudrun,

sehr viele Betroffene wünschen sich, dass die Förderschulen erhalten und eben nicht abgeschafft werden.

Nein, Kosten dürfen eigentlich kein Argument sein. EIGENTLICH! Wenn jedoch die Kosten jedes Maß sprengen, dann frage ich mich aber sehr wohl, ob man das wirklich vertreten kann. Besonders zumal die Eltern durch die Ablehnung des CIs dem Kind die Möglichkeit einer lautsprachlichen Kommunikation verbaut haben.

Was mag wohl ein mir bekannter Vater denken, der die FM-Anlagen für gleich zwei Schulkinder selbst löhnen muss, da PKV-versichert? Für die Dolmikosten eines einzigen gl Kindes kann man vermutlich allen sh Kindern in Deutschland Teamtaeching fähige FM-Anlage bezahlen.

Viele Grüße
Andrea

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19 Dez 2011 21:09 #23764 von maryanne
maryanne antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Liebe Gudrun,

bitte erläutere doch mal, warum Inklusion allen zugute kommt. So ganz praktisch, meine ich.
Danke
maryanne

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19 Dez 2011 21:33 #23765 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!

andrea schrieb: Nein, Kosten dürfen eigentlich kein Argument sein. EIGENTLICH! Wenn jedoch die Kosten jedes Maß sprengen, dann frage ich mich aber sehr wohl, ob man das wirklich vertreten kann. Besonders zumal die Eltern durch die Ablehnung des CIs dem Kind die Möglichkeit einer lautsprachlichen Kommunikation verbaut haben.


Äääähm, eigentlich wollte ich mich überhaupt nicht mehr an dieser Diskussion beteiligen. Aber jetzt muss ich es doch tun...

LIebe Andrea,

ich würde mich niemals so ausdrücken, dass "die Eltern durch die Ablehnung des CI's dem Kind die Möglichkeit einer lautsprachlichen Kommunikation verbaut haben". Klingt total negativ irgendwie - als ob die gebärdensprachliche Erziehung nicht wirklich "geduldet" werden dürfe als gleichwertig vollwertige Sprache neben der Lautsprache.

Für mich ist es ein anderer Grund:

Wenn Eltern sich für ein CI entschieden haben - dann mit allen Konsequenzen (Förderung etc.) - und genauso wenn Eltern sich für eine bilinguale Förderung ohne CI entscheiden - dann bitte auch mit allen Konsequenzen.

Und genau hier setzt die Diskussion an: Ist es bei 1,2 Millionen Euro vertretbar, über z.B. Schwerpunktschulen (die eben keine wohnortnahen Beschulungen mehr erlauben) zu verfügen, an denen mindestens 5-10 gehörlose DGS-Schüler unterrichtet werden?

Grüßle
Maike

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19 Dez 2011 21:41 #23766 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!

andrea schrieb: sehr viele Betroffene wünschen sich, dass die Förderschulen erhalten und eben nicht abgeschafft werden.


Stimmt,

und nicht nur Betroffene wünschen sich das: gerade in den letzten Wochen haben immer wieder Eltern bestätigt, wie froh sie sind, dass ihre Kinder von der Regelschule auf die Förderschulen (bitte nicht SCHON WIEDER denken, dass da der Lehrplan reduziert sei - es gibt "sogar" den Regelschullehrplan verbindlich (!) an unseren Schulen) gewechselt sind und aufblühen...

Trotzdem: Inklusion ist eine Chance - für sich betrachtet. Nur: Wenn Deutschland die UN-Konvention unterschrieben hat, dann bitte mit allen Konsequenzen - auch finanziell. Und da denke ich, haben manche Ämter bzw. Verantwortliche einfach kurzsichtig gerechnet...

Grüßle
Maike

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19 Dez 2011 21:56 #23767 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Liebe Maike,

genau das meine ich nicht, dass DGS nur zweite Klasse wäre. Aber ich denke auch, dass Eltern, die ihre Kinder nicht implantieren lassen, ihren Kindern potentielle Möglichkeiten nehmen. Das fängt mit so Kleinigkeiten wie Musikgenuss an, die Möglichkeit des easy Smalltalks mit Fremden, geht über die Schulwahl und setzt sich in der Berufswahl fort. Natürlich ist ein CI keine Garantie dafür, dass aus den Kindern Musikliebhaber usw. wird, aber ohne CI gibt man ihnen gar nicht erst die Chance.

Aber CI bei Kindern soll hier jetzt nicht das Thema sein. Ich würde Deinen Vorschlag unterstützen, dass man Schwerprunktschulen einrichtet, in denen es garantierten DGS-Unterricht gibt. Das wäre in der Tat aber keine wohnartnahe Beschulung. Viel mehr wären Schwerpunktschulen, die an Regelschulen eingerichtet werden, sogar insgesamt ein sympathisches Konzept, um die Vorteile von Regel- und Förderschule zu vereinen.

Gruß
Andrea

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19 Dez 2011 22:05 #23768 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Hallo Maryanne, das würde zu weit führen, wenn ich jetzt anfange, das zu erklären. Inklusion heißt schlicht und einfach gleichberechtigte Teilhabe von allen. Wenn das nicht gegeben ist, ist von Inklusion keine Rede mehr. Echte Inklusionsbeispiele kenne ich bis heute nicht, überall, wo es "Inklusion" heißt, ist es in Wirklichkeit "Integration" oder eine Vermischung aus beiden Elementen. Das Thema ist wirklich uferlos und da ich mich von Beruf wegen damit auseinandersetze, möchte ich öffentlich nichts schreiben, weil ich mir sonst vielleicht die Finger verbrennen könnte.

Jedenfalls heißt Inklusion nicht, dass einzelne Kinder oder Lehrer überfordert werden (dürfen). Das wäre eher Integration.

Ich ärgere mich über Leute - deren Namen ich nicht nennen möchte - die jahrelang davon sprachen, "Integration" zu betreiben, und dieses Wort plötzlich gegen den Begriff "Inklusion" ausgetauscht haben, ohne wirklich was geändert zu haben, nur weil es so schick ist, "Inklusion" zu machen.

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19 Dez 2011 22:13 #23769 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Hallo Gudrun,

eine inklusive Gesellschaft scheint mir ein Ideal zu sein, dass nicht erreichbar ist.

Gruß
Andrea
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19 Dez 2011 22:20 - 19 Dez 2011 22:24 #23770 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!

andrea schrieb: Das fängt mit so Kleinigkeiten wie Musikgenuss an, die Möglichkeit des easy Smalltalks mit Fremden, geht über die Schulwahl und setzt sich in der Berufswahl fort.


Uff, diese Aussage finde ich jetzt diskriminierend.

Kinder, die ohne CI aufwachsen, sind für mich keineswegs ärmer dran als Kinder, die mit CI aufwachsen. Ein CI ist keine Garantie für anhaltendes Lebensglück.

Auch ohne CI können Kinder Lautsprache erwerben und sie können hervorragende Absehfertigkeiten entwickeln. Selbst wenn nicht, dann hoffentlich DGS so hervorragend, dass sie eine starke Identität entwickeln können. Zu Inklusion gehört auch, dass die Gesellschaft für die DGS sensibilisiert wird, z.B. dass DGS-Dolmis zur Verfügung gestellt werden wo notwendig.

Ich bin zwar eine CI-Befürworterin, aber das CI hat die Tücke, dass es als technisches Hilfsmittel störanfällig ist und dass eine spätere Reimplantation irreversibel schief gehen könnte. Dann müssen die Menschen, die mit CI aufgewachsen sind, von einen Tag auf den anderen mit ihrer Taubheit klarkommen. Das ist ein Punkt, der in meinen Augen viel zu sehr unterschätzt wird. Natürlich wird das nur auf eine sehr kleine Minderheit zutreffen, aber jeder Mensch, der zu dieser Minderheit gehört, ist ein Mensch zu viel.

Nee, ich klink mich jetzt aus der Diskussion aus, sonst finde ich keinen Punkt mehr, ich habe die Zeit nicht und brauche meine Energie für anderes.

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Letzte Änderung: 19 Dez 2011 22:24 von Gudrun.
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19 Dez 2011 22:27 #23771 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Gudrun, für Dein letztes Posting: Hut ab!

Grüßle
Maike (die Dich übrigens auch für Deine Stärke Maryanne ggü bewundert... ;))

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19 Dez 2011 22:29 #23772 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Zur Information: Im TS gibt es auch eine Diskussion, in der sich das Augsburger Förderzentrum u.a. meldete.

www.taubenschlag.de/meldung/7029#kommentare

Grüßle
Maike

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19 Dez 2011 22:34 - 19 Dez 2011 22:36 #23773 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!

andrea schrieb: eine inklusive Gesellschaft scheint mir ein Ideal zu sein, dass nicht erreichbar ist.


Selbst wenn nicht, sollten wir wenigstens versuchen, uns diesem Ideal so weit wie möglich anzunähern.

Dazu gehört für mich, Denkstrukturen der Gesellschaft zu verändern.

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Letzte Änderung: 19 Dez 2011 22:36 von Gudrun.

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20 Dez 2011 00:15 #23774 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Hallo,

ich habe nie behauptet, dass ein CI Garant für Lebensglück wäre, umgekerht ist es die DGS-Sprachgemeinschaft aber auch nicht. Die ideale Gesellschaft sollte auf jeden eingehen usw. pp. und etc. Aber sie tut es nicht, einerseits aus Bequemlichkeit oder "falsche Denkstruktur" andererseits ist es teuer oder selbst wenn genug Geld da wäre, schlicht nicht machbar, für jeden das passende Men-und Technikpower da zu haben. Wir kriegen es nicht einmal auf Schlappohrentreffen hin, dass jeder wirklich gleich gut versteht und wenn wir auf jeden warten würden, kämen wir nie zu Potte, der Tag hat nur 24 Stunden. Jeder muss Kompromisse eingehen. Und eine Sache (das CI) kompromisslos ablehnt, wird von den Umständen gezwungen, anderweitig Kompromisse zu schließen. Man kann natürlich sich auf den Standpunkt stellen, ich möchte so wie ich bin inkludiert werden, aber ob man mit dieser Einstellung in der nicht inklusiven Gesellschaft weiter kommt?

Mir Inklusion als schönes Gedankengebäude vor, was im praktischen Alltag nicht weiter hilft. Gudrun, wie meinst Du denn sollen die zwei Mädchen beschult werden und wer soll das bezahlen?

Gruß
Andrea

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20 Dez 2011 07:44 #23775 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!

andrea schrieb: ich habe nie behauptet, dass ein CI Garant für Lebensglück wäre


Hast du nicht, aber dich sehr negativ zu Lebenskonzepten ohne CI geäußert.

umgekerht ist es die DGS-Sprachgemeinschaft aber auch nicht.


Natürlich nicht.

Die ideale Gesellschaft sollte auf jeden eingehen usw. pp. und etc. Aber sie tut es nicht, einerseits aus Bequemlichkeit oder "falsche Denkstruktur" andererseits ist es teuer oder selbst wenn genug Geld da wäre, schlicht nicht machbar, für jeden das passende Men-und Technikpower da zu haben.


Für mich ist es sehr wohl machbar, es muss alles kleinschrittig angegangen werden. Wenn Gebäude errichtet werden, sollte von vornherein auf barrierefreiheit geachtet werden, denn nachträgliche Ausbesserungen sind sehr teuer.

Mir erschließt sich nicht, warum eine Stadt das Geld hat, ein sündhaft teures Denkmal eines namhaften Künstlers hinzustellen, statt das Geld in bauliche Maßnahmen zu investieren.

Man kann natürlich sich auf den Standpunkt stellen, ich möchte so wie ich bin inkludiert werden, aber ob man mit dieser Einstellung in der nicht inklusiven Gesellschaft weiter kommt?


Irgendwo müssen wir anfangen.

Mir Inklusion als schönes Gedankengebäude vor, was im praktischen Alltag nicht weiter hilft. Gudrun, wie meinst Du denn sollen die zwei Mädchen beschult werden und wer soll das bezahlen?


Wie soll ich das beantworten? Ich kenne die Mädels nicht, aber sie haben das Recht auf DGS-Dolmetscher und dafür müssen dann auch Gelder zur Verfügung gestellt werden.

Inklusion erfordert ein Umdenken bei jedem einzelnen. Wenn ich meine Vorstellungen von Inklusion erklären soll, ist es ungefähr so, wie wenn ich einem kluturell Gehörlosen die auditiv-verbale Erziehung erklären müsste oder wie wenn einem "Oralisten" die Gehörlosenkultur erklärt werden müsste.

Solange es Menschen gibt, die sagen "Inklusion geht nicht", wird Inklusion natürlich nicht funktionieren. Schade.

Ich finde es ja schon grotesk, dass Gelder für eine teure CI-Operation und -Reha da sind, aber keine Gelder für DGS-Dolmetscher, klar, kommen aus verschiedenen Töpfen. Aber irgendwie ist das schon ein Widerspruch.

Wer behauptet, dass Inklusion eine Überforderung darstelle, der hat nicht begriffen, was Inklusion überhaupt ist. Mit den derzeitigen Ausstattungen sind die allgemeinen Schulen darauf jedenfalls nicht vorbereitet, Ausstattung und Ausbildung des Lehrpersonals muss sich also ändern. Auch müssen sich sämtliche Bildungskonzepte ändern, damit Inklusion in die Köpfe reingeht und zwar von Kindesbeinen an.

Jetzt bin ich doch in der Diskussion drin, obwohl ich eigentlich gar nicht wollte, außerdem muss ich jetzt in den Dienst.

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20 Dez 2011 08:31 #23776 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Bayern - Inklusion? – Illusion!
Liebe Gudrun,

ich habe das Gefühl, dass man in Gedanken schon beim zweiten Schritt ist, noch ehe der erste Schritt (die Integration) praktisch getan ist. Und das führt m.E. zu nichts.

Wir sind uns einig, dass man noch wesentliche mehr unternehmen kann, Behinderte am gesellschaftlichen Leben Teilhabe zu gewähren und manche Maßnahmen sind sogar direkt billig, z.B. Untertitel im Fernsehen, Induktionschleifen in öffentlichen Gebäuden, hier und dort eine zusätzliche Rampe, Bodenmarkierungen mit erhabene Fußwegplatten für Blinde usw. Das würde ich aber auch eher als integrative Maßnahmen und nicht inklusive Maßnahmen ansehen

Zurück zu den zwei Mädchen, ich kenne sie auch nicht, und ja ihnen steht Unterricht in DGS zu, ohne Frage. Aber muss es eine wohnortnahe Schule sein? Das Geld haben wir nicht, denn mit dieser Millionen könnte man woanders Verbesserungen erreichen, von der sehr viel mehrere Menschen profitieren.

Gruß
Andrea

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