kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?

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13 Okt 2010 20:31 - 13 Okt 2010 20:41 #21119 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Die Beratung pro und contra CI gehört nicht in die Hände des Jugendamtes... und wenn die Eltern selbst gehörlos sind, werden sie vom CI oft genug gehört haben. Gut möglich, dass sie durch und durch kulturell gehörlos sind und dem CI gegenüber voreingenommen sind. Dann sind sie es eben. Hörende Eltern sind zwar oft auch zunächst uninformiert in Bezug auf das CI, aber bei ihnen ist die Gefahr viel größer, dass das gehörlose Kind als Mensch mit einem Defizit betrachtet wird, während gehörlose Eltern im Allgemeinen bessere Voraussetzungen haben, die Gehörlosigkeit ihres Kindes zu akzeptieren. Ich sage mal ketzerisch, dass bei hörenden Eltern mit gehörlosen Kindern kurz nach der Diagnose das Kindeswohl viel stärker gefährdet ist und zu denen eher das Jugendamt hingeschickt werden sollte. Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht selbst unsachlich werde - falls ich es nicht schon bin.

Karin, einer der seltenen Momente, wo wir uns einig sind.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 13 Okt 2010 20:41 von Gudrun.

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13 Okt 2010 21:02 - 13 Okt 2010 21:03 #21120 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo,

auch ich gehe davon aus, dass die Eltern besser als das JA oder die Eingliederungshilfe wissen, was ein CI ist. Wie Gudrun sagte, mag es zwar sein, dass die ELtern nichts über ein CI wissen wollen und irgendwelche Horrorgeschichten im Kopf der Eltern rumspuken. Hörende ELtern sind auch oft schlecht informieren, wenn sie der OP zustimmen. Da denken viele, CI rein, Kind hört, alles paletti.

Wir hatten das Thema schon mal, es darf keinen Beratungszwang geben, denn das setzt Eltern unter Druck! Sich nicht beraten lassen zu wollen, ist auch eine Entscheidung!!! Die Eltern werden im Rahmen der Diagnosestellung beim Kind schon genügend Beratungsgespräche bzw. Hinweise auf das CI von ärztlicher Seite gehabt haben.

Außerdem geht es hier doch gar nicht um Beratung, sondern um die Kindeswohlgefährung! Die Kindeswohlgefährdung allein aus der Tatsache abzuleiten, dass das Kind kein CI hat, ist Verleumdung und ich hoffe sehr, dass der Mitarbeiter in der Eingleiderungshilfe etwas auf den Deckel bekommt. Ich kann den Eltern nur zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde raten!!!

Gruß
Andrea
Letzte Änderung: 13 Okt 2010 21:03 von andrea.

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13 Okt 2010 21:28 #21121 von Mattea
Mattea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Also hier werden Sachen diskutiert, aufgrund eines Briefes, der gar nichts aussagt.
Nirgendwo steht das das JA die Eltern zur OP zwingen will noch das das Kindeswohl gefährdet ist.
Woher nehmt Ihr alle denn die Weisheiten?
Die Eltern stellen einen Antrag auf Eingliederungshilfe, die wiederum versuchen jetzt die Kosten jemand anderes aufzudrücken und geben es weiter an das JA.
Könnte man ja so meinen, aber so unwissend scheint der Sachbearbeiter ja nicht zu sein wie hier behauptet wird, denn seine Wortwahl war vorsichtig, ein Dolmetscher wurde besorgt.

Wenn ich die Mutter/Vater wäre, ich hätte schon eine begründete Angst dem unter die Augen zu treten.
Denn wer so öffentlich mit Kanonen auf Spatzen schießt, muss auch damit rechnen das zurück geschossen wird.
Und wenn ich einen Antrag auf Gelder stelle und mir das JA antwortet warte ich erstmal das Gespräch ab, und dann wäre der nächste Gang, der, zu meinem Anwalt.
Denn wer nichts zu befürchten hat, hat es auch nicht nötig mit solchen Aktionen ins Internet zu gehen.
Udn da sind wir wieder bei der GL Kultur...alle die ein CI implantieren lassen sind böse.

@ Gudrun
Zitat
Ich sage mal ketzerisch, dass bei hörenden Eltern mit gehörlosen Kindern kurz nach der Diagnose das Kindeswohl viel stärker gefährdet ist und zu denen eher das Jugendamt hingeschickt werden sollte. Ich muss jetzt aufpassen, dass ich nicht selbst unsachlich werde - falls ich es nicht schon bin.

Warum hab ich nichts anderes erwartet? So ein Schwachsinn...sorry..das ist echt krank!!!

Mattea

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13 Okt 2010 22:05 - 13 Okt 2010 22:18 #21122 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Liebe Mattea,

dass es so einen Brief überhaupt gibt, ist zu viel, egal in welchem Tonfall er auch abgefasst ist, dass überhaupt die Möglichkeit einer "Kindeswohlgefährdung" eingeschlossen wird, finde ich ausgesprochen heftig, wenn es außer einer albernen Kostenfrage keine anderen Verdachtsmomente gibt.

Wenn ich sage, dass das Kindeswohl gefährdet ist, dann war das drastisch und ironisch formuliert, hier beziehe ich mich nur auf die Zeit kurz nach der Diagnose. Hörende Eltern sind nach der Diagnose erst mal erschüttert, was das Kind spürt. Es wird sicher weiterhin geliebt, aber möglicherweise auch bedauert und mit Traurigkeit konfrontiert. Wird die Traurigkeit nicht überwunden, wird die Beziehung zwischen Eltern und Kind belastet.
Dass den hörenden Eltern das Jugendamt geschickt werden sollte, war absolut ironisch gemeint, ich habe jedoch bewusst das Wörtchen "eher" verwendet, denn rein objektiv betrachtet fällt es gehörlosen Eltern im Allgemeinen leichter, die Diagnose taub besser zu akzeptieren, während hörende Eltern die Diagnose erst mal verarbeiten müssen. Aber die Akzeptanzarbeit verläuft bei jedem ganz anders. Glücklichereise arrangieren die allermeisten hörenden (und gehörlosen) Eltern sich mit der Diagnose.

Krank ist, dass das Jugendamt die Frage einer Kindeswohlgefährdung untersuchen will, nur weil das Kind kein CI hat. Was bitte gibt es da zu untersuchen?

Bei so einem Behördenirrsinn wundert mich der Hass der Gehörlosengemeintschaft gegen das CI nicht.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 13 Okt 2010 22:18 von Gudrun.

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13 Okt 2010 22:54 #21123 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Matthea,

dann lies den ersten Abschnitt des Briefes noch mal ganz genau!!!

Da steht eindeutig, dass das JA abklären muss, ob das Kindeswohl gefährdet ist, weil das Kind trotz einer sehr starken Schwerhörigkeit kein CI bekommt. Und ferner steht da, dass die Eingliederungshilfe mit diese Frage an das JA herangetreten ist.

Da gibt es nichts mißzuverstehen, oder?

Und wie kommt die Eingliederungshilfe dazu, solche Aussagen zu treffen und das JA einzuschalten? Es ist nicht die Aufgabe der Eingliederungshilfe zu beurteilen, welche medizinischen Behandlung und welche Förderung für gl Kinder angemessen sind!!! Da sind eindeutig Kompetenzen überschritten, Vertrauen mißbraucht und vermutlich auch die Schweigepflicht gebrochen worden.

Die Eingliederunghilfe hat im Gegenteil die Aufgabe, behinderte Kindern und Erwachsenen bei der Eingliederung in die Gesellschaft zu unterstützen und nicht den Eltern Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Gruß
Andrea

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14 Okt 2010 11:35 #21124 von Helga
Helga antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Wer lesen kann , ist klar im Vorteil.

Der Brief beinhaltet doch zunächst mal die Frage, ob es eine Kindeswohlgefährdung "wäre", wenn das Kind nicht zur gesprochenen Sprache findet (evtl. mit einem CI).
Nichts anderes möchte das JA im Gespräch mit den Eltern klären.
Das hier gleich wieder unterstellt wird, es hätte eine Anzeige stattgefunden, ist schon wieder viel zu viel Meinung, die interpretiert wird. Lediglich hat die Eingliederungshilfe wohl diese Frage gestellt und der geht das JA nach. Wo bitte ist hier eine Anzeige oder Diskriminierung etc. etc.?
Wenn bei anderen Fällen ein Versäumnis der JA oder der Eingliederungshilfe vermutet oder bekannt wird, ist das Geschrei groß. Werden sie vorsorglich tätig, ist das Geschrei auch groß.

Ich finde, dieser Brief durfte so nicht ohne Wenn und Aber veröffentlicht werden.
Datenschutz wird hier oft sehr ernst genommen. Wo bleibt jetzt der Datenschutz für den Mitarbeiter des JA, der lediglich zum Gespräch eingeladen hat?? Warum diskutieren hier nur alle Anderen , aber nicht die Eltern??? Ich sehe das Ganze wieder einmal als eine Möglichkeit der CI-Gegner, hier Meinungsmache zu betreiben. Schade drum.

Ich glaube auch nicht, dass dies hier eine Kostenfrage ist. Sondern dass sich tatsächlich jemand bemüht hat, einem Kind, dass stark sh ist, einen von möglichen Wegen aufzuzeigen, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Da das Kind offensichtlich noch zu klein ist, werden die Eltern einbezogen. Wo ist hier ein Problem? Wer hat hier ein Problem?
Laßt Euch doch nicht vor jeden Karren spannen, um das Für und Wider zum CI hinreichend und bis zum Exzess zu diskutieren.

Freundliche Grüße

Helga

Schneidern ist meine Leidenschaft :-)

Bilaterale CI-Trägerin von Freedom

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14 Okt 2010 13:54 #21125 von Mattea
Mattea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Andrea

Ich habe den Brief ganz genau gelesen und das scheint hier das Problem zu sein.
Denn ich interpretiere nichts in den Brief hinein oder lass solche Sprüche vom Stapel.

Es würde mich riesig freuen, wenn alle, die hier so eine Propaganda vom Stapel lassen, so richtig eins auf die Finger kriegen.
Angefangen vom ungeschwärzten veröffentlichen bis hin zum Diskriminierungs-Gerede.

Aber wie ich schon sagte, das ist die negative Seite der GL Kultur und ich bin froh das wir Eltern mit für unsere Kinder das richtige entschieden haben und wir uns nicht in diese Reihe eingereiht haben.
Denn das ist wirklich schlimm was hier öffentlich gemacht wird.

Und wie Helga schon schrieb...wo sind denn die Eltern?
Und ich muss mich auch nicht angreifen lassen nur weil ich nicht mit der Meute heule sondern meine Meinung vertrete.
Ich sage nur : 3 Ausrufezeichen!

Mattea

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14 Okt 2010 15:34 #21126 von Nici
Nici antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo Ihr Lieben!

Also ich finde die Art und Weise des JA total blöd. Aber den Grundgedanken verstehe ich schon. Denn sehr viele lassen ihre Kinder nun mal implantieren und viele können damit auch fast "normal" hören. Siehe meiner Tochter, beidseitig implantiert, Regelschule, normale Aussprache....

Also mit wem sollen denn die gehörlosen Kinder von heute später kommunizieren?

Ansonsten ist die Diskussion mal wieder unter aller Sau, z.B. normalhörende Eltern werden angefeindet usw.

Nicole

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14 Okt 2010 17:13 #21127 von Martina
Martina antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo Forumianer,

ich stimme den letzten Postings von Mattea und insbes. Helga zu.
Vollkommen unsinnige Meinungsmache..., vergisst bitte nicht, das corpus delicti stammt aus dem Taubenschlag. -Wir sind hier ein CI-Forum und haben es nicht nötig, private behördliche Briefe zu posten.

..."Hörende Eltern sind nach der Diagnose erst mal erschüttert, was das Kind spürt." -Wie kommt man denn auf solcherlei Pseudo-Psycho-Weisheiten??? :blink:

:huh: Martina

Implant 24RE, seit 21.11.2013 CP910

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14 Okt 2010 18:27 #21129 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo,

in meinen Augen gehört es zu einem CI-Forum dazu, dass man alle Aspekte zum CI diskutiert, auch die weniger erfreulichen.

Mich wundert, dass es Euch nicht stört, dass die Eingliederungshilfe das JA einschaltet. Wo bleibt denn da der Datenschutz?

Der Vorgang zeigt doch nur Folgendes. Ein CI wird als das Maß aller Dinge angesehen und wer es ablehnt, wird vor eine Behörde zitiert und muss sich für die Entscheidung rechtfertigen. Das ist doch unfassbar. Welche Eltern fühlen sich da nicht unter Druck gesetzt?

Ich habe schon länger den Eindruck, dass in Deutschland eine Entscheidung pro CI immer unterstützt wird, während es Kindern ohne CI (und Kinder die trotz CI keine ausreichende Lautsprache entwickeln) schwerer und schwerer gemacht wird. Ständig muss man sich rechtfertigen, warum man keines hat oder es nicht klappt.

Wenn man der Argumentation der Eingliederungshilfe folgen wollte (keine Lautsprache), dann müsste das Jugendamt gerechterweise alle Eltern vorladen, deren Kinder kein ausreichendes Deutsch können.

Ihr sollten auch mal im Hinterkopf behalten, dass es bei Euren Kindern gut mit dem CI geklappt hat. Eine Garantie auf eine Lautsprachentwicklung bedeutet das CI keineswegs, sondern nur einen Chance!

Gruß
Andrea

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14 Okt 2010 18:38 #21130 von KarinKestner
KarinKestner antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Mir fehlen die Worte!

Ich weiß schon, warum ich hier normalerweise nicht mehr poste.
Karin

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14 Okt 2010 19:13 #21131 von Rike
Rike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Was mir hier auffällt etwas, nur mal als kleiner Hinweis:


Spätertaubte und hörende Personen mit CI-Kindern finden das Vorgehen des Jugendamtes vorwiegend in Ordnung.

Personen, die von klein auf schon immer gehörlos waren oder zumindest stark hörgeschädigt (CI erst als Erwachsene), finden das Vorgehen des Jugendamtes / Eingliederungshilfe nicht OK!

Fakt ist, dass viele Leute davon geprägt sind, wenn jemand Defizite hat, dass man denjenigen "verbessern" muss oder zumindest sollte. Man soll der eigentlichen "Norm" entsprechen oder zumindest nahe, näher dran sein.
Dabei kann eine Hörschädigung eine besondere - und ja eigentlich wundervolle - Behinderung sein, denn man hat besondere Eigenschaften und Stärken.

Was mich beim Jugendamt und Eingliederungshilfe stört, dass sie meinen, dass sie die Bevormundungsfunktion (entsprechende Instrumente dafür nutzen) inne haben. Wenn ein Kind kein CI hat und nicht hungern und auch nicht dursten muss, und auch nicht mit zerlumpten Klamotten rumläuft und dessen Integration sogar bemüht wird (siehe Eingliederungshilfe), dann ist eine Meldung beim JA nicht von Nöten! Auch wenn das Kind kein CI hat, es hat ganz bestimmt Eltern, die sich um das Kind kümmern und ihr Kind lieben, so wie es ist und ebenso für das weitere Leben unterstützt. Hier ist doch das CI absolut irrelevant. Es geht doch einfach nicht, dass man auf diese Art und Weise in das Leben einer GL-Familie eindringt und sie psychisch belastet.

Es gibt hörende Eltern, die vor Jahren kein CI für ihr Kind wollten, aber Post vom Jugendamt bekommen sie nicht. Ich hege langsam leicht den Verdacht, dass das Jugendamt sich einmischt, weil die Eltern des Kindes GL sind, bei hörenden Eltern würden sie sich nicht einmischen?!

Beidseitig HiRes90k, Harmony, Advanced Bionics (1.CI 2007, 2.CI 2012)

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14 Okt 2010 19:23 - 14 Okt 2010 20:55 #21132 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Liebe Andrea,

andrea schrieb:

Mich wundert, dass es Euch nicht stört, dass die Eingliederungshilfe das JA einschaltet.


das liegt an der mangelnden Fähigkeit, sich in gehörlose Eltern hineinzuversetzen, die Gebärdensprache nutzen und für ihr Kind kein CI haben möchten. Kein Wunder, dass die Grabenkämpfe weiterhin bestehen bleiben und der Hass gegen das CI weiter wächst.

Ich bin mir sicher, würde es den umgekehrten Fall geben, also hörende Eltern so einen Brief bekommen, würden diese sich auch massiv unter Druck gesetzt fühlen. Egal, wie "neutral" und "freundlich" die "Einladung" zu einem Gesprächstermin formuliert wäre.

Es stimmt mich sehr traurig, dass es mir nicht gelingt, die Situation, der die betroffenen Eltern ausgesetzt sind, nachvollziehbar zu machen.

Ich klinke mich deshalb hier aus und möchte zum Schluss noch einen anderen Menschen sprechen lassen - übrigens CI-Träger:

notquitelikebeethoven.wordpress.com/2010/10/11/sprachlos-jugendamt-rastatt/

Rike, deine Meinung tut gut. Andrea, du verstehst, was ich sagen möchte.

Ich entschuldige mich bei allen hörenden Eltern, die sich durch meine sehr sarkastische Aussage provoziert fühlten. Ich habe Respekt vor allen Eltern, die sich mit Leib und Seele für ihr Kind engagieren und das zu dessen Wohl. Aber gesteht anderen Eltern bitte auch andere Wege zu und unterstützt sie, wenn sie diskriminiert werden.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 14 Okt 2010 20:55 von Gudrun.

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14 Okt 2010 19:58 #21133 von KarinKestner
KarinKestner antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Danke für deine Worte Gudrun!
Lieben Gruß
Karin

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14 Okt 2010 21:46 #21134 von Rike
Rike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Nici schrieb:

Also mit wem sollen denn die gehörlosen Kinder von heute später kommunizieren?


So düster sieht das Leben ohne CI nicht aus...

Immerhin schreiben hier im Forum mindestens sechs von Geburt an / prälingual gehörlose oder stark schwerhörige Erwachsene die ihre Regelschulzeit mit Abitur vor Jahren ganz ohne CI überstanden haben!
Es kann sogar eine höhere Ziffer sein, aber ich kenne die Members ja nicht alle. Auf jeden Fall gibt es deutschlandweit viele.

Und man sollte Respekt zollen, wie sie und ihre Eltern das ohne CI gemeistert haben und es ist möglich, und
sie haben sogar ohne CI gelernt, wie man sich kommuniziert! Egal ob Laut- oder Gebärdensprache oder sogar beides.
Da gibt es genug Hörgeschädigte, die das können.

Ich finde außerdem, dass hörgeschädigte Kinder einen gewissene Vorteile haben können, wenn ihre Eltern selbst auch hörgeschädigt sind. Zum Beispiel, dass die Eltern aufgrund ihren Erfahrungen sich auch in ihr Kind hineinversetzen können, das Kind von Anfang an lernt, dass es mit der Behinderung nicht alleine ist und gewissene Strategien direkt mitgegeben bekommt.

Nici schrieb:

Ansonsten ist die Diskussion mal wieder unter aller Sau, z.B. normalhörende Eltern werden angefeindet usw.

Ich finde, ihr werdet gar nicht angefeindet, denn:
Auch ihr als hörende Eltern profitiert ja auch von den Erfahrungen von Geburt an Hörgeschädigte ohne CI in den ersten 20-25 Jahre ihres Lebens, wir geben euch auch viele Tipps und Hinweise hier im Forum und anderen Foren, auf Symposien, persönliche Treffs, Emails etc. mit.

Beidseitig HiRes90k, Harmony, Advanced Bionics (1.CI 2007, 2.CI 2012)

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14 Okt 2010 22:08 - 14 Okt 2010 22:11 #21135 von Miriam
Miriam antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo,

selbst Mutter verstehe ich, wie belastet eine solche Einladung für ein Gesprächstermin einer Behörde sein kann. Wir haben so eine "nette" Einladung von der Schule initiiert vom Gesundheitsamt gehabt.
Dieser hat uns auch viele Stunden lang in Erregung versetzt, letztendlich war der Termin einfach nur bescheiden und hat und viele Nerven und Zeit unsererseits gekostet. Das nur, weil die Schule und das Gesundheitsamt meinen, sich in Dinge einzumischen, von denen sie wirklich keine Ahnung haben.

Ich kann daher schon die Aufregung verstehen, welche die Eltern des Kindes empfinden. Ein Recht, dieses zu veröffentlichen haben sie damit jedoch nicht!
Natürlich sollten die Eltern offensiv damit umgehen und das Gespräch suchen. Klar signalisieren, dass sie sich über das CI informiert haben, dass sie sich bewusst gegen das CI entschieden haben. Dem Jugendamt einfach damit signalisieren, dass die Sachbearbeiterin / der Sachbearbeiter von der Materie keine Ahnung hat... im Gegensatz zu Ihnen als Eltern.

Aber eine solche Hetze im Internet, das Ganze als unter dem Thema "Skandal" zu veröffentlichen, geht in meinen Augen gar nicht.

Dass das Jugendamt hier Kompetenzen überschreitet, ist für mich offensichtlich. War es bei uns auch, wo sich die Schule / das Gesundheitsamt sich anmasste, sich in der Urologie besser aus zu kennen, als eine große Uniklinik. Aber dagegen hilft es nicht, Hetze zu betreiben, sondern genau dieses den entsprechenden Personen klar zu machen, gerne auch mit Hilfe durch Fachpersonal wie einem Klinikarzt, wie Frühförderin etc.

Grüße,
Miriam
Letzte Änderung: 14 Okt 2010 22:11 von Miriam.

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15 Okt 2010 09:13 #21136 von Nici
Nici antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo Rike,

Das soll keine Anfeindung sein??? "Ich sage mal ketzerisch, dass bei hörenden Eltern mit gehörlosen Kindern kurz nach der Diagnose das Kindeswohl viel stärker gefährdet ist und zu denen eher das Jugendamt hingeschickt werden sollte."

Gudrun hat sich ja entschuldigt, also ist das Thema für mich beendet.

Ansonsten finde ich dieses Forum toll, weil man von erfahrenen CI-Trägern oder Schwerhörigen Tipps bekommt, auf die man selbst nicht gekommen wäre.

Schönen Freitag. Nicole

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15 Okt 2010 09:54 #21137 von KarinKestner
KarinKestner antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?

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15 Okt 2010 11:03 #21138 von Helga
Helga antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Das hier wieder einmal die Möglichkeit genutzt wird, gegen das CI zu sprechen, ist ausreichend erkennbar.

Nichtsdestotrotz sollte es jedem Menschen frei gestellt sein, ob er moderne Möglichkeiten nutzt oder nicht.
Und ich behaupte, dass kein Sozialamt oder Jugendamt ein CI gegen den Willen von Eltern erzwingt oder erzwingen kann. Das würden allein schon die implantierenden Ärzte nicht mitmachen, weil es ja mit der OP gar nicht getan ist. Dazu gehört ja dann auch das Lernen damit, die Akzeptanz und der Umgang damit.
Wenn einem Kind, dass ansonsten in sozial geregelten Verhältnissen aufwächst, kein CI seitens der Eltern geboten wird, dann wäre es doch Nonsens, so etwas erzwingen zu wollen.
Meiner Ansicht nach müssen aber auch die Ämter Eltern oder Pädagogen auf andere Möglichkeiten hinweisen, wenn man einem Kind damit bessere Möglichkeiten für sein Dasein anbieten möchte.
Alles Weitere ergibt sich dann von allein.

Mich erinnert diese Diskussion hier an die Anfangszeit der Computer- und Internetzeit.
Was wurde da nicht alles für ein Horroszenario an die Wand gemalt. Oder die Einführung des Fernsehens!
Ach Du liebe Zeit, wie wird die Menschheit verdorben dadurch. Das war der Tenor dieser Zeit.
Und nun? Steht in jedem Kinderzimmer ein Extrafernseher, die meisten Kinder haben Handy, einen Computer und müssen sogar schon in der vierten Klasse am PC recherchieren. Und werden davon nicht dümmer.

Solange man hier keine weiteren Nachrichten seitens der Eltern liest, wie die Sache sich nun entwickelt, ist jede Meinung hier im Bereich der Spekulation.
Wer den Brief veröffentlicht hat, mit dem Wunsch, die Öffentlichkeit auf einen vermeintlichen Skandal aufmerksam machen zu müssen, der hat nun auch die Pflicht, Aufklärung über den weiteren Verlauf zu machen!

Freundliche Grüße

Helga

Schneidern ist meine Leidenschaft :-)

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15 Okt 2010 12:24 #21139 von KarinKestner
KarinKestner antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo Helga, ich denke sicher, dass Bernd Rehling - wenn er informiert wird - auch mehr veröffentlicht.

Im Übrigen hast du etwas sehr wahres gesagt: eine erzwungene OP wird niemals Erfolg haben, denn alle müssen ja nach der OP an einem Strang ziehen und dem Kind dann die entsprechende Nachsorge bieten.

Wenn dies nach einer erzwungenen OP nicht stattfindet, kein Erfolg - aber noch mal mehr die Möglichkeit für ein JA zu sagen, "das Kind wird nicht richtig gefördert", weil die REHA nicht gut ist, das Kind nicht in die lautsprachliche Umgebung geführt wird usw. dann wäre es eben auch wieder Kindeswohlgefährung - ?? Oder??? Ich hoffe sehr, dass ein JA begreift, dass mit einer erzwungenen OP nicht geholfen ist!

Gruß
Karin

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