kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?

Mehr
15 Nov 2010 22:52 #21497 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Liebe Silke,

wenn Martina es so sachlich wie Du formuliert hätten, hätte sicher auch keiner ein Problem damit gehabt. Ich kann bis auf deinen letzten Punkt sogar Alles unterschreiben, was Du sagst.

Ich denke eine Zwangsberatung darf es nicht geben, weil das auch wieder unter Druck setzt. Und was sollte denn auch der Inhalt der Beratungsgespräche sein? Das CI ist toll, mit dem CI kann man hören und sprechen lernen? Das wird den Eltern doch bereits bei der Diagnosestellung und in der Frühförderstelle gesagt. Verantwortungsvolle Eltern brauchen eh keine Beratung, die holen sich selbst die Infos und das ist dank Internet ja leicht wie nie. Und den Kindern unverantwortlicher oder auch bequemer Eltern fehlt leider auch noch viel mehr als das Gehör.

Gruß
Andrea

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
15 Nov 2010 22:53 - 15 Nov 2010 23:16 #21498 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
SilkeA schrieb:

meiner Ansicht nach müßt Ihr es aber stehen lassen, daß ein Kind (es geht hier nur um die Kinder!!) mit CI deutlich mehr Chancen hat, in die Lautsprache zu kommen und damit deutlich mehr Chancen, sich in die Gesellschaft zu integrieren, deutlich mehr Wahlfreiheit, was Beruf und Freunde angeht.


Liebe Silke,

mehr Chancen, in die Lautsprache zu kommen - das stimmt absolut, falls keine (seltenen) Zusatzbehinderungen wie z.B. orale Dysphasie etc. vorhanden sind. Aber dass dann damit die Integrationschancen und die Wahlfreiheit bezüglich Beruf und Freunden steigen, das ist sehr relativ. Dafür gibt es zu viele Faktoren, die dann eben auch "stimmen" müssen...

Grüßle
Maike
Letzte Änderung: 15 Nov 2010 23:16 von Maike.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
15 Nov 2010 22:56 #21499 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
andrea schrieb:

Ich denke eine Zwangsberatung darf es nicht geben, weil das auch wieder unter Druck setzt. Und was sollte denn auch der Inhalt der Beratungsgespräche sein? Das CI ist toll, mit dem CI kann man hören und sprechen lernen? Das wird den Eltern doch bereits bei der Diagnosestellung und in der Frühförderstelle gesagt. Verantwortungsvolle Eltern brauchen eh keine Beratung, die holen sich selbst die Infos und das ist dank Internet ja leicht wie nie. Und den Kindern unverantwortlicher oder auch bequemer Eltern fehlt leider auch noch viel mehr als das Gehör.


Danke, Andrea! B) B) B)

(Und wie sollte der "Berater" hierbei sein? Hat er eine ähnliche verurteilende Weise der DGS gegenüber und somit auch dem Menschen gegenüber, der sich ganz bewusst für ein Leben ohne CI bei seinem Kind entscheidet? Darf dieser Mensch (dieses Elternteil) dann auch "verantwortungsbewusst" genannt werden?????? Da fängts nämlich an...)

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 00:38 - 16 Nov 2010 00:43 #21504 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Hallo Silke, wie Maike schon sagt, mit CI kommt das Kind sicherlich leichter in die Lautsprache, vor allem wenn die Versorgung mit Hörgeräten nichts gebracht hat oder zu spät kam. Aber das Lebensglück hängt nicht allein von lautsprachlichen Fähigkeiten ab. Insbesondere DGS-Gehörlose haben ja dann die Gebärdensprache, in der sie mit anderen DGS-Kompetenten frei und ungehindert kommunizieren können.

Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass es nicht nur das CI gibt. Wir haben ja noch hochentwickelte Hörgeräte. Wenn sie sehr früh angepasst werden und eine entsprechende Frühförderung einsetzt, sind die Chancen des Lautspracherwerbs fast genauso gut wie beim CI, allerdings müssen die Eltern hier wesentlich mehr Engagement einsetzen und das Ziel wird zu einem späteren Zeitpunkt erreicht sein als mit dem CI. Allerdings gibt es immer Gehörlose, wo Hörgeräte gar nichts bringen so wie eben bei deinem Kind.

Zur Abhängigkeit von Dolmetschern: Gehörlose, die nur DGS können, gibt es fast gar nicht. Ich gehe davon aus, dass die DGS-Gehörlosen der Zukunft eine wesentlich höhere Lautsprachkompetenz als die der Vergangenheit erreichen werden. Sie können sich auch ohne Dolmetscher verständigen, wenn sie ihr Gegenüber in eine angemessene Sprechweise einweisen. Die kommunikativen Fähigkeiten reichen in der Regel für einfachere Gespräche aus.
Hier im Forum gibt es viele Beispiele, die sich früher auch ohne CI als Geburtsgehörlose mit anderen lautsprachlich verständigen konnten. Nur haben wir die Lautsprache unter sehr erschwerten Bedingungen erworben und mussten unsere Eltern zum Teil einen unvorstellbaren Aufwand betreiben, um unsere minimalen Hörreste bis zum Maximum auszuschöpfen und uns in die Lautsprache zu bringen.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 16 Nov 2010 00:43 von Gudrun.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
16 Nov 2010 00:56 #21505 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Gudrun schrieb:

Gehörlose, die nur DGS können, gibt es fast gar nicht. Ich gehe davon aus, dass die DGS-Gehörlosen der Zukunft eine wesentlich höhere Lautsprachkompetenz als die der Vergangenheit erreichen werden.


Liebe Gudrun,

dem kann ich voll beipflichten. Diese Entwicklung hat längst begonnen - auf Grund früherer Erfassung, verbesserter Frühförderung, verbesserten Hörgeräten - und auch der Entwicklung, dass manche DGS-Eltern sich für ein CI bei ihrem Kind entscheiden und es weiterhin in DGS fördern usw usw.

Gudrun schrieb:

Nur haben wir die Lautsprache unter sehr erschwerten Bedingungen erworben und mussten unsere Eltern zum Teil einen unvorstellbaren Aufwand betreiben, um unsere minimalen Hörreste bis zum Maximum auszuschöpfen und uns in die Lautsprache zu bringen.


Genau! Ich werde meine Mutter für immer hoch schätzen und ihr sehr dankbar sein für das, was sie an mir geleistet hat. Für mich ist es heute echt ein Rätsel, wie sie das geschafft hatte - ohne die heutigen Möglichkeiten...

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 10:09 #21508 von Knight
Knight antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Fundsache im Blog von Raul:
Das ist wirklich Gleichberechtigung! Unglaublich aber wahr. Gerade eben wurde mir zum zweiten Mal mein iPhone geklaut. Diesmal aber auf eine total miese Masche: weiterlesen

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 14:25 #21510 von Late
Late antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Knight schrieb:

Fundsache im Blog von Raul:
Das ist wirklich Gleichberechtigung! Unglaublich aber wahr. Gerade eben wurde mir zum zweiten Mal mein iPhone geklaut. Diesmal aber auf eine total miese Masche: weiterlesen


Bisschen sehr platt
Und passt hier nicht hin! (Moderation?)

Mein Tipp: Auch mal eigene Meinung posten anstatt nur irgendwelche drögen links :)

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 14:40 - 16 Nov 2010 14:43 #21511 von Late
Late antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Gudrun schrieb:

Zur Abhängigkeit von Dolmetschern: Gehörlose, die nur DGS können, gibt es fast gar nicht. Ich gehe davon aus, dass die DGS-Gehörlosen der Zukunft eine wesentlich höhere Lautsprachkompetenz als die der Vergangenheit erreichen werden. Sie können sich auch ohne Dolmetscher verständigen, wenn sie ihr Gegenüber in eine angemessene Sprechweise einweisen. Die kommunikativen Fähigkeiten reichen in der Regel für einfachere Gespräche aus.


Gudrun, die wenigsten GL können gut verständlich artikulieren, selbst wenn sie gute grammatikalische Fähigkeiten aufweisen (was heutzutage wirklich häufiger der Fall ist als früher!). Dabei ist aber gerade das SelbstNichtSprechenKönnen kaum weniger kommunikationshemmend als das SelbstNichtHörenKönnen. (Was es z.B. tauben Späties viel einfacher macht mit hd zu kommunizieren, auch ohne CI) Das Artikulationsproblem kann man auch nicht wirklich wegtrainieren, bzw. will man das heute auch gar nicht mehr, denn die Schwerpunkte liegen heute eher auf Bildung und kognitive Entwicklung.
Und "einfachere Gespräche"? Die kann man auch ganz ohne gemeinsame Sprache führen. Nur: Die Integration wird dadurch nicht wesentlich verbessert. Deswegen würde ich nicht darauf setzen das die Abhängigkeit von Dolmis sich verringert. Das Gegenteil wird der Fall sein. Durch die steigende Akzeptanz der DGS wird es eine höhere Selbstverständlichkeit geben Dolmetscher einzusetzen. Diese Selbstverständlichkeit erhöht auch die Abhängikeit letztendlich.

Viele Grüße, Late
Letzte Änderung: 16 Nov 2010 14:43 von Late.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 14:41 #21512 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Liebe Andrea,
doch, ich bin dafür, daß eine Beratung mitgemacht werden muß. Es gibt sogar Eltern, die nicht einmal eine vernünftige audiologische Diagnostik durchführen lassen, weil sie sagen, sie nehmen das Kind sowieso so, wie es ist. Inhalt der Beratung: natürlich nicht "CI ist spitze, alles andere scheiße", aber das, was ich hier so immer mal lese, spricht meiner Meinung nach nicht unbedingt immer für neutral aufgeklärte Eltern.
Liebe Gudrun,
doch, mein Lebensglück ist in hohem Maße von meinen lautsprachlichen Fähigkeiten abhängig. Ich kann mir ein Leben ohne die nicht vorstellen. Ich glaube auch nicht, daß heute irgendjemand ernsthaft bezweifelt, man könnte ohne Lautsprache gut durch die Welt kommen.
Natürlich gibt es heute gute Powerhörgeräte und auch bessere als früher. Ich weiß aber nicht, was die bei Gehörlosen gegenüber früher bringen sollen. Es gibt bessere digitale Geräte z.B. für Hochtonsteilabfälle, aber was sollen die jemandem bringen, der meinetwegen eine durchgehende Hörkurve bei 110dB hat? Kommt mir irgenwie so vor, als würde plötzlich jemand behaupten, ein fast Blinder könnte aufgrund besserer Frühförderung heute die Schönheit von Gemälden erkennen. Ich jedenfalls kann mit den ganzen neuen Hörgeräten immer noch nicht wieder so gut hören, wie ich früher mit den alten Bosch-Geräten gehört habe, die es heute nicht mehr gibt.
Bleibt für mich nur mein Fazit: wir haben mit den neuen technischen Möglichkeiten, die wir heute haben, auch eine Verantwortung, über deren Nutzung zu entscheiden. Jeder, der ein gehörloses Kind hat, muß sich heute entscheiden, wie er mit dem Kind umgeht, und diese Entscheidung ist früh eine endgültige. Um diese Entscheidung kommt im Gegensatz zu früher keiner mehr herum, und für diese Entscheidung müssen sich Eltern auch rechtfertigen können. Deswegen hatte ich im Grunde keine Wahlfreiheit für meinen Sohn.
Grüße von Silke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 15:18 - 16 Nov 2010 15:18 #21513 von Late
Late antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Maike schrieb:

Eben, Martina, das ist es eben! Du kennst nur einen winzigen Ausschnitt der Lebensrealität Hörgeschädigter. Du kennst nicht die anderen, von Geburt an Gehölrosen, die auch ohne CI studiert haben und am "normalen" Berufsleben teilnehmen konnten und können.


Es sind nicht sehr viele... Man darf nicht die breite Masse vergessen, mit "ganz normal überforderten" Eltern und ganz normalem durchschnittlichen Potential. Deren Lebensrealität ist selten der Campus.
Letzte Änderung: 16 Nov 2010 15:18 von Late.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
16 Nov 2010 17:48 #21520 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Late schrieb:

Gudrun, die wenigsten GL können gut verständlich artikulieren, selbst wenn sie gute grammatikalische Fähigkeiten aufweisen (was heutzutage wirklich häufiger der Fall ist als früher!).


Hallo Late,

könnte es sein, dass Du die heutige Schülerschaft nicht so sehr im Blick hast? Mir fällt einfach sehr stark auf, dass sich die Schülerschaft mit dem LS-Stand in den letzten 10 Jahren sehr stark verändert hat. Insofern kann ich Gudruns Aussage nur beipflichten.

Late schrieb:

Und "einfachere Gespräche"? Die kann man auch ganz ohne gemeinsame Sprache führen. Nur: Die Integration wird dadurch nicht wesentlich verbessert.


Außer in manchen Vereinen Sportverein und DGS-Gehörlose mit hoher sozialer Kompetenz. ;) Ansonsten stimmt Deine Aussage.

Late schrieb:

Deswegen würde ich nicht darauf setzen das die Abhängigkeit von Dolmis sich verringert. Das Gegenteil wird der Fall sein. Durch die steigende Akzeptanz der DGS wird es eine höhere Selbstverständlichkeit geben Dolmetscher einzusetzen. Diese Selbstverständlichkeit erhöht auch die Abhängikeit letztendlich.


Für mich ist es eine Frage der Sichtweise:

=> Je selbstbewusster und eigenverantwortlicher DGS-Gehörlose agieren, desto weniger setzen sie auf die Hilfe von Familienangehörigen etc. und können selbstbestimmt DGS-Dolmis einsetzen. Das ist nicht unbedingt als "Abhängigkeit" im negativen Sinne zu verstehen.

=> Umgekehrt sind CI-Träger auch von der Technik und der Medizin abhängig. Genauso wenig verstehe ich das als "Abhängigkeit" im negativen Sinne.

Beides ist für mich eine großartige Chance, das eigene Leben mehr in die eigene Hand nehmen zu können - egal ob man primär LS- oder DGS-gerichtet lebt.

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
16 Nov 2010 17:53 #21521 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Late schrieb:

Maike schrieb:

Eben, Martina, das ist es eben! Du kennst nur einen winzigen Ausschnitt der Lebensrealität Hörgeschädigter. Du kennst nicht die anderen, von Geburt an Gehölrosen, die auch ohne CI studiert haben und am "normalen" Berufsleben teilnehmen konnten und können.


Es sind nicht sehr viele... Man darf nicht die breite Masse vergessen, mit "ganz normal überforderten" Eltern und ganz normalem durchschnittlichen Potential. Deren Lebensrealität ist selten der Campus.


Naja, Late, ich sehe das schon anders... - was ist hier "die breite Masse"? Sind die Eltern der "breiten Masse" wirklich "ganz normal überforderte(n) Eltern"? Ich erlebe die Eltern der "breiten Masse" als durchaus fähig, mit ihren schwerhörigen oder gehörlosen Kindern mit und ohne CI umgehen zu können. - So unmündig sind die Eltern nicht immer...

...was leider nicht davon ablenken darf, dass es überall Rabeneltern gibt - unabhängig vom jeweiligen Hörstatus. Und bei solchen Eltern kann sich dann natürlich die Hörschädigung des Kindes zusätzlich negativ bzw. überfordernd auswirken. Trotzdem habe ich eher nicht den Eindruck, als seien diese Eltern permanent "ganz normal überfordert"? - Wenn ich erlebe, dass Mütter in den ersten Jahren zu wenig Schlaf bekommen, weil ihre Kinder (egal ob hörend oder nicht) nciht durchschlafen können, dann sind sie "ganz normal überfordert" - stimmt. Ist es das, was Du gemeint hast?

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
16 Nov 2010 18:08 #21522 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
SilkeA schrieb:

Es gibt sogar Eltern, die nicht einmal eine vernünftige audiologische Diagnostik durchführen lassen, weil sie sagen, sie nehmen das Kind sowieso so, wie es ist. Inhalt der Beratung: natürlich nicht "CI ist spitze, alles andere scheiße", aber das, was ich hier so immer mal lese, spricht meiner Meinung nach nicht unbedingt immer für neutral aufgeklärte Eltern.


Liebe Silke,

das stimmt, dass es Eltern gibt, die sich gegen eine frühe Diagnostik entscheiden. Die sind auch keinen "neutral aufgeklärte Eltern". Doch sind Eltern überhaupt "neutral aufgeklärt"? Ich finde das sehr relativ, denn letztlich muss man sich als Eltern entscheiden für einen Lebensweg ihres Kindes. Das ist dann begründet (hoffentlich) und neutral ist es dann nicht mehr. Aber das sehe ich dann sehr positiv - wenn Eltern wissen, warum sie sich für ein CI entscheiden - oder eben auch warum nicht. (Was nicht dagegen spricht, dass eine gute audiologische Diagnostik wirklich in jedem Falle gemacht werden soll - das wäre für mich selbstverständlich und auch eine Pflicht dem Kind gegenüber - ein Versäumnis wäre für mich in heutigen Zeiten nicht mehr entschuldbar).

SilkeA schrieb:

doch, mein Lebensglück ist in hohem Maße von meinen lautsprachlichen Fähigkeiten abhängig. Ich kann mir ein Leben ohne die nicht vorstellen.


Ich höre solche Aussagen immer wieder in solchen Diskussionen - egal, ob jemand ls oder primär gs aufgewachsen ist. Ein DGS-Gehörloser wird häufig dasselbe sagen wie Du - nur umgekehrt.

SilkeA schrieb:

Es gibt bessere digitale Geräte z.B. für Hochtonsteilabfälle, aber was sollen die jemandem bringen, der meinetwegen eine durchgehende Hörkurve bei 110dB hat?


Bei 110 dB werden die besten Hörgeräte auch kaum was bringen. Wenn man dann eine Hörhilfe will - dann ist das CI die Wahl ohne Alternativen.

SilkeA schrieb:

Ich jedenfalls kann mit den ganzen neuen Hörgeräten immer noch nicht wieder so gut hören, wie ich früher mit den alten Bosch-Geräten gehört habe, die es heute nicht mehr gibt.


Erstens weil Du heute nicht mehr so gut hörst wie als Kind und zweitens weil Dein Gehirn auf diese "mechanischen" Geräte gepolt ist. Da gibt es verschiedene Faktoren - zum Beispiel verändert sich das Hören im Laufe eines Lebens schon - vor allem wenn man Hörstürze gehabt hat oder das Hören sich schleichend verschlechtert.

SilkeA schrieb:

Jeder, der ein gehörloses Kind hat, muß sich heute entscheiden, wie er mit dem Kind umgeht, und diese Entscheidung ist früh eine endgültige. Um diese Entscheidung kommt im Gegensatz zu früher keiner mehr herum, und für diese Entscheidung müssen sich Eltern auch rechtfertigen können. Deswegen hatte ich im Grunde keine Wahlfreiheit für meinen Sohn.


Stimmt - jede Aussage kann ich unterstreichen. Wobei: in speziellen Fällen besteht einfach noch eine gute Resthörigkeit, die eine CI-Versorgung noch hinausziehen lässt etc. etc. - ist auch abhängig vom individuellen Fall.

Eine Wahlfreiheit hattest Du deshalb schon nicht, weil Ihr nur eine Sprache könnt - für die ein CI absolut nötig ist, wenn Ihr wollt, dass Samuel kommunikativ und sprachlich nicht ausgeschlossen wird und daher seinen Möglichkeiten (in der LS) nach gefördert werden muss, um echte Chancen in seinem Leben zu bekommen. Insofern war Eure Entscheidung die einzig "richtige" Entscheidung...

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
16 Nov 2010 21:22 #21533 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Aw: kein CI für gl Kind = Kindeswohlgefährdung?
Liebe Maike,
auch wenn ich gebärden könnte, hätte ich in meinem Lebensumfeld keine echte Wahlfreiheit gehabt. Niemand hätte es verstanden, wenn wir Samuel nicht die Möglichkeit zu hören gegeben hätten.
Ich wollte noch anmerken, daß ich seit ich 6 Jahre alt war, keinen dauerhaften Hörsturz mehr hatte. Ich höre von der Hörkurve her maximal 5dB schlechter als früher. Von daher habe ich wirklich mit den Bosch-Geräten besser gehört. Aber das gehört jetzt eigentlich auch nicht mehr hier herein.
Grüße von Silke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Moderatoren: ChrisHSusanneHerms
Ladezeit der Seite: 0.318 Sekunden
Powered by Kunena Forum