Gibt es kein Arzt, der neutral ist?

Mehr
03 Nov 2010 22:48 #21340 von Lilith
Lilith antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Jede Meinung ist hier willkommen ;) Ich habe nämlich kein Problem damit.
Ich bin sogar der Meinung, dass wir Gehörlosen, Schwerhörige und CI-Träger zusammen gehören.

Ich war auf einer Schwerhörigenschule und dort hält man für selbstverständlich, dass Schwerhörige, CI-Träger und Gehörlose zusammen in einer Klasse sein soll. Einige Lehrer waren DGS-kompetent.

Martina,
wenn ich weltfremd bin, dann bist du blauäugig ;) denn ich kenne viele Kinder, die darunter gelitten haben und ich musste zwei Kinder bis zur Pubertät mitansehen, wie sie gelitten haben. und eine Freundin von mir wollte ein CI haben und hat nach der OP 1 Jahr lang ständig Kopfschmerzen, sodass sie eine Klasse sitzenbleiben musste. Nach der erneuten OP wurde einige Muskelfaser entfernt und seitdem ging es ihr wieder besser.
Ich kenne aber auch viele, die keine Probleme haben sowie viele, die mit CI nicht besser hören können.
Daher könnte ich so sagen, dass CI nur 50% Erfolg bringt sowie 50% Risiken.
Deswegen möchte ich meinen Sohn nicht operieren lassen, weil das nicht lebensnotwendig ist.
Das Wichtigste für mich ist die Bildung und Wissen.



Andrea,
was für eine Diskussion? Etwa um Hartmut Teuber? Das Wort Taub mag ich auch nicht. Auch wir Gehörlosen haben nicht immer die gleiche Meinung ;)

Er hat ja noch Resthörvermögen, trotzdem reagiert er irgendwie nicht. *grübel* Letzte Woche hat er die Hg bekommen.

CharlyBrown,
interessant. Dann müsste ich noch ein bisschen Geduld mit ihm haben.

Arno,
der Arzt hat mich nicht gezwungen. Ich war verärgert, dass er sowas sagen konnte. Oder meinst du, dass er das indirekt gesagt hat mit einem Ziel, mich zu überreden?
Das ist schön, dass du damals genau wusstest, was du wolltest.

Wenn mein Sohn mir später sagt; er wäre erst glücklich, wenn er was hört. dann würde ich mir überlegen, ob er ein CI bekommt oder nicht.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
03 Nov 2010 23:26 #21341 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lillith,

ich meine die Diskussion "kein CI für Kind = Kindeswohlgefährdung?"

Wer hat Resthörvermögen, Hartmut Teuber??? Oder doch Dein Sohn? Wenn Dein Sohn Resthörvermögen hat, was ist denn bei der BERA rausgekommen? Nach einer Woche mit Hg kann man eigentlich noch nix sagen, da muss man noch ein wenig Geduld haben. Du musst regelmäßig die Dinger beim Akustiker einstellen lassen, besonders weil Du die Hg selbst ja nicht kontrollieren kannst.

Wie alt ist Dein Sohn eigentlich, wahrscheinlich erst ein paar Monate alt, oder? Wenn das so ist, könnt ihr wirklich ein halbes oder ein dreiviertel Jahr Hg probieren, um festzustellen, wie gut Dein Sohn denn nun wirklich hört. Erst danach müsst ihr Euch endgültig für oder gegen ein CI entscheiden.

Das Risiko 50% ist weitaus zu hoch! Und das finde ich so jammerschade, dass unter GL noch immer erzählt wird, es bestünde nur eine 50:50 Chance oder man könne nicht schwimmen. Da solltest Du Dich wirklich noch mal genauer in einer CI-Klinik erkundigen, wie oft bestimmte Dinge passieren. In den letzten zehn Jahren sind die medizinischen Risiken auch noch mal deutlich gesunken, seitdem man atraumatisch, mit anderen OP-Mikroskopen, mit speziellen OP-Bestecken und Schablonen operiert: Das war vor 10 Jahren noch ganz anders. Wahrscheinlich kennst Du die CI-Träger, wo alles glatt lief gar nicht, weil sie sich nicht in der Welt der Gehörlosen aufenthalten.

Meiner Ansicht nach solltest Du eine Entscheidung erst treffen, wenn feststeht, dass Hg wenig oder gar nichts bringen. Und du solltest die Entscheidung informiert treffen, d.h. nach einer CI-VU und nachdem Du Dich über die wahren Risiken und Erfolgsaussichten informiert hast.

Gruß
Andrea

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
03 Nov 2010 23:40 #21343 von Lilith
Lilith antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Andrea,
achso, diese Diskussion. Ich habe sie nicht alles gelesen.

Ja ich habe mein Sohn gemeint. Der Akustiker sagte, bei 500Hz hat er 70dB und bei 750 Hz 100dB und bei 1000Hz 120dB.
Im Hochtonbereich null.
Ja er ist 5 Monate alt. Das Ganze ist ja nämlich für mich neu, weil mein ältester Sohn erst mit 1 Jahr die Hg bekam und hat sofort auf die Geräusche reagieren können. Ist das bei einem Baby anders?

Ich werde die Entscheidung meinem Sohn überlassen. Uff, ich will kein Risiko eingehen.

Das mit Prozentanteil habe ich nicht von Gehörlosen erzählen bekommen. Es gab ein Statistik, ich weiss aber nicht mehr woher.
Es könnte sein, dass es jetzt weniger gibt als früher. Das Risiko ist aber immer noch da.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
04 Nov 2010 00:08 #21344 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,

nein, eine solche Statistik gibt es nicht.

Es gibt da das Papier von Frau Szagun, die sagt, dass die Hälfte aller Kinder mit CI einen altersgemäßen Spracherwerb (also genauso schnell und genauso gut wie normalhörende Kinder) haben. Das bedeutet aber nicht, dass die anderen 50% keine Sprache lernen. Sie lernen halt nur langsamer. Dein Sohn wird sowieso nicht zu den Sprachlosen gehören, weil er Gebärden lernen wird.

Du kannst die Entscheidung NICHT deinem Sohn überlassen. Deine Entscheidung ist in jedem Fall eine ENDGÜLTIGE. Man kann ab einem gewissen Alter das Hören nicht mehr lernen!!! Wenn man als von Geburt an GL als Erwachsener ein CI bekommt, hört man zwar. Man lernt aber nicht das Gehörte zu verstehen und zu verarbeiten, wie ein kleines Kind es lernt.

Wenn die Hörkurve Deines Sohnes so stimmt, wird er mit Hg kaum in die Lautsprache finden. Und wenn er nicht als kleines Kind ein CI bekommt, bleibt das auch so!

Noch einmal Deine Entscheidung ist ENDGÜLTIG.

Gruß
Andrea

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
04 Nov 2010 08:26 - 04 Nov 2010 18:40 #21346 von Sandra
Sandra antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,

auch ich finde es schade, dass heutzutage immer noch vereinzelte GL gibt die nicht über CI bescheid wissen bzw. Falschinformiert sind. Dennoch kann ich aus Sicht der GL die Entscheidung teilweise verstehen. Hatte vor kurzem mit eine GL Mutter gesprochen die ebenso einen GL Sohn hat. Auch Sie sagte, dass nicht jetzt implatieren möchte - aber wenn Sohn später will dann könnte er tun. Als ich Sie darauf hinwies, dass die Chance jetzt normalerweise besser sind als später - sagte Sie mir, dass der Arzt Ihr selbst schon sagte und die es wissen. Aber Ihr Sohn trägt jetzt HG und reagiert soweit ich weiss dennoch ein wenig auf Geräusche! Auch fand ich gut, dass die GL Mutter andere Entscheidungen ebenso akzeptierte.
Die Risiken sind bei CI-OP da, das verschweigt niemand. Anderseits sind die Risiken bei JEDER OP vorhanden. Einen neutralen Arzt zu finden ist schwierig, da die Ärzte meistens auf Medizinischer Ebene die Infos/Diagnosen geben. Aber der Arzt sollte keinen Druck auf die Eltern ausüben sondern dennoch das medizinische soweit wie möglich (mit allen Vor-/Nachteile/Risiken/Chance) sachlich aufklären.

Man sollte schauen, in welchem Alter die Kinder/Erwachsene (die Du kennst) implantiert wurden - inwiefern die zuvor vom Hören mit HG profitierten - die dessen Hörbiographie aussah - ob eher in Lautsprache oder Gebärdensprache aufgewachsen ist etc.

Wenn aus medizinischer Sicht die Audiogrammwerte so schlecht sind wie in Falle Deines Sohnes, dass ein HG möglicherweise keinen Nutzen bringt - aber dann damit warten tut bis das Kind später selbst entscheidet, werden die Erfolge nicht so gut sein wie wenn man bereits als Kind implantieren lässt. Denn das Kind kennt mit der Zeit nur noch das womit diese dann aufwächst d.h. wird möglicherweise eher die Gebärdensprache bevorzugen.
Von daher heisst es nicht umsonst bei dieser Diagnose so früh wie möglich implantieren zu lassen, da die Aussicht auf evtl. Erfolg am grössten sind um in die Lautsprache zu kommen. Dennoch kann man als CI-Kind die Laut- UND Gebärdensprache nutzen.

Aber die Eltern und das Umfeld muss auch hinter dieser Entscheidung stehen und das Kind dementsprechend fördern. Falls eine Implantation ansteht, dann auch damit befassen - CI-Reha machen etc.

Was ist mit Vater des Kindes? Ist er auch GL und wie steht er zu dem Thema CI?

Kennst Du Hörgeschädigte Eltern mit CI-Kinder? Vielleicht kannst Du unter dem folgende Link => "CI und Gebärden" schauen und dort Kontakt aufnehmen. Unter Kontakte/Impressum steht der Name Jan... Er ist hörgeschädigter Vater zweier GL Kinder die als Kleinkind CI bekommen haben. Die können Dir als Erfahrungsaustausch vermtl. eher Kontakte zu GL/SH Eltern mit CI-Kinder vermitteln.

Nachtrag: Hier noch ein Link zu o.g. Vater...... "Jan mit Sohn"

Da Dein Sohn 5 Monate alt ist, habt Ihr mit der Entscheidung noch ein wenig Zeit um die HG noch ein wenig zu testen. Wenn nach 6 Monate immer noch keine Hörreaktionen feststellbar ist, dann sollte man als Eltern überlegen welchen Weg dem Kind mitgeben möchte - damit diese dementsprechend entwickeln kann sei es über Gebärdensprache oder mit CI! Eine CI-VU kann man machen lassen und diese verpflichtet zu keiner sofortige Entscheidung (vorausgesetzt das Kind hatte keine Meningitis)

Gruss Sandra
Letzte Änderung: 04 Nov 2010 18:40 von Sandra.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Martina
  • Martinas Avatar
  • Offline
  • Expert Boarder
  • Expert Boarder
  • Stillstand ist Rückschritt
Mehr
04 Nov 2010 17:19 #21354 von Martina
Martina antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hi allerseits,
ok. ich gehe jetzt mal davon aus, dass das Eingangsposting kein Fake ist.

Ich kann Andreas letzte Postings nur dreifach unterstreichen, genau das ist auch meine Meinung!
Btw: Ab wann, sprich, in welchem Alter, sollte denn das Kind selbst entscheiden sollen, Lilith? -Mich erinnert dies -völlig themenabgewand- an Äußerungen von Eltern, die die Kindstaufe ablehnen und genauso argumentieren, dann könne das Kind ja selbst entscheiden, ob es getauft werden möchte! - Schwachsinn in diesem Fall, denn wenn das Kind nie irgendwelche religiöse Bildung bekommen hat, wie soll es dann entscheiden können??? -Hinkt zwar etwas im Vergleich zum CI, aber wenn viel später das Kind das CI ablehnen würde - was ich mir kaum vorstellen kann- dann kann es ja immer noch den SP ablassen und in der Stille leben. -Nur von vorne herein die Möglichkeit nicht zu nutzen, halte ich für falsch.
Lilith, meine Aussage, wer Angst vor einer OP hat, sei weltfremd, bezog sich kontextmäßig auf diese spezielle OP und auch auf deine -anfangs- generelle Erklärung, du hättest Angst vor der OP. Ich meine, Leben ist Risiko, sonst dürfte ich auch nicht Auto fahren, Fliegen etc. Wie Andere schon schrieben, jede OP hat ein Risiko. Diese besondere würde ich als Mutter natürlich nur in einem großen, anerkannten, kindererprobten Klinikum machen lassen mit viel Erfahrung, also nicht sowas wie Essen, Bochum, Dortmund hier in meinem Dunstkreis. Ich fahre schließlich auch 200 km zur MHH, wie erst gestern mal wieder. -Ohne Fleiss kein Preis, dass gilt für Eltern wie wir erst recht.
Ich habe nh-Kinder, war bis 5 J. auch nh, aber glaubt mir nur, hätte ich ein sh oder gl-Kind, würde ich alle Hebel in Bewegung setzen; -um mich später nicht den Vorwürfen meiner Brut stellen zu müssen, "ja, warum hast du denn damals nicht...??"
Ich finde es ja schon toll, Lilith, dass du als GL diese Frage CI ja/nein hier überhaupt stellst, denn ich stelle mir die elterliche Förderung schwierig vor. Ich kann auch deine Empfindungen von den lästerlichen Äußerungen des HNO-Arztes nachvollziehen - meiner ist auch ein Charakterschwein auf gut deutsch, aber fachlich eben sehr, sehr gut - und in diesem Fall wiegt die fachliche Empfehlung eben mehr.
Ich will hier Niemand vor den Kopf stossen, obwohl ich das manchmal ganz gut kann, -bin halt emotional-, aber denkt bitte mal zukunftsweisend, wenn die Kommunikation heute schon so wichtig ist, wird sie es später noch viel mehr sein; genauso wie eine gute Bildung... -Nein Maike, ich schreibe dazu jetzt nix mehr; deine Schule mag top sein, aber die meisten sind es nicht; und ich bin froh, selber eine Regelschule besucht haben zu können.

Danke für`s Lesen,
Martina

Implant 24RE, seit 21.11.2013 CP910

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Nov 2010 20:39 #21366 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,
mich ärgert die Diskussion hier ein wenig.
Man kann nicht sagen: wenn Dein Sohn sich später für ein Implantat entscheidet, sind die Ergebnisse nicht so gut. Sie sind nicht einfach nur nicht so gut, sondern sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit gleich Null. Ein Gehörloser kann normalerweise später nichts mehr mit dem CI anfangen, und ab einem schon sehr frühen Zeitpunkt sinken die Chancen rasant. Jedenfalls ab einem Zeitpunkt, wo das Kind auf gar keinen Fall in der Lage ist, selber zu entscheiden.
Bei der Hörkurve Deines Sohnes halte ich einen halbwegs normalen Lautspracherwerb für extrem unwahrscheinlich. Läßt Du ihn gehörlos, dann wird er später wahrscheinlich große Schwierigkeiten haben, sich in der hörenden Welt zu verständigen, zumal es immer weniger Gehörlose geben wird. Den typischen Gehörlosenverein, den es früher noch in fast jedem Ort gab, wird es in ein paar Jahren nicht mehr geben.
Ich persönlich halte das Risiko, daß ein gehörloses Kind von einem Auto überfahren wird, das es nicht kommen gehört hat, für größer als die Risiken der Operation. Eine Fazialislähmung kommt heute meines Wissens nach praktisch nicht mehr vor, während es in der Anfangszeit der CI-Operationen bei etwa 10% lag. Das ist einfach heute nicht mehr so.
Ich bin auch dagegen, daß man zur CI-OP gezwungen wird, aber man sollte sich schon genauer informieren und sich der Konsequenzen für das Kind bewußt sein.
Grüße von Silke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
05 Nov 2010 21:35 #21369 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
SilkeA schrieb:

Ich persönlich halte das Risiko, daß ein gehörloses Kind von einem Auto überfahren wird, das es nicht kommen gehört hat, für größer als die Risiken der Operation.


Liebe Silke,

vorsicht - so würde ich es auf keinen Fall sagen. Du kennst hierzu keine Statistiken - oder hast Du mal welche gesehen? Fakt ist nur, dass Gehörlose als Ausgleich wesentlich besser ausgebildet sind mit den anderen Sinnesorganen. Meine taubsten Schüler waren immer die verkehrssichersten. Heute noch fahre ich lieber volltaub Auto als mit den CI's, denn dann fahre ich wesentlich sicherer, weil ich meine anderen Kanäle dafür besser gebrauchen kann.

Fakt ist auch, dass Gehörlose - relativ gesehen - weniger Unfälle bauen als Hörende.

Insofern würde ich schon sagen, dass es eher umgekehrt ist: Das Risiko einer CI-OP ist (ich hab hierzu auch keine Statistiken gesehen - aber mit meinem gesunden Menschenverstand sehe ich das sehr nüchtern...) schon deutlich höher als die Wahrscheinlichkeit, von einem Auto überfahren zu werden. (Nehmen wir mal die Todesfälle und die Meninigitisfälle nach einer CI-Op hier und rechnen mal auf, wie viele echte Gehörlose im gleichen Zeitraum nur auf Grund der Gehörlosigkeit überfahren worden sind - ich gehe fast jede Wette ein, dass dann rauskommt: Das Risiko der CI-OP ist viel höher...)

Hallo Lillith,

ich finde es toll, dass du dich so informierst. Ja, mit CI kann es Probleme geben. Allerdings sind diese Probleme immer weniger geworden in der letzten Zeit.

Meine Vorschläge:

Du besuchst mal gehörlose Eltern, die sich bewusst gegen ein CI beim Kind entschieden haben und schaust dir diese Kinder genau an.
Dann besuchst du mal gehörlose Eltern, die sich bewusst für ein CI beim Kind entschieden haben und schaust dir diese Kinder auch genau an.

Dann überlegst du dir zusammen mit deinem Mann: Was möchtet ihr für euer Kind?

Die Hörwerte bei eurem Kind sind wirklich sehr schlecht. Deshalb hat euer Kind später KEINE Wahlmöglichkeit. Ihr müsst jetzt für euer Kind entscheiden: CI ja oder nein. (Wenn die Hörwerte bei eurem Kind besser wären, könnte euer Kind später immer noch entscheiden, denn dann hätte es ein Restgehör - aber bei diesen Zahlen ist euer Kind wirklich gehörlos, deshalb könnt nur Ihr entscheiden und Euer Kind später nicht mehr.)

Wenn ihr euch gegen ein CI entscheidet, wenn ihr euch für eine sehr gute Frühförderung und DGS-Bildung und Schriftsprachförderung entscheidet, dann macht ihr keinen Fehler.

Wenn ihr euch für ein CI entscheidet und euer Kind in der Familie weiterhin mit DGS und Frühförderung fördert, dann macht ihr auch keinen Fehler.

Es sind zwei Lebenswege - gemeinsam ist dann die DGS. In einem Fall ohne Hören - im anderen Fall mit Hören.

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Nov 2010 21:45 #21371 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Liebe Maike,
Du bist als spielendes Kleinkind auf einem Feldweg von einem Auto, das vorher gehupt hat, fast überfahren worden. Wahrscheinlich warst Du da in wesentlich größerer Gefahr als während Deiner CI-OPs.
Wieviele Todesfälle kennst Du denn, die wirklich nach einer CI-OP direkt auf diese OP zurückzuführen waren und nicht auf Herzfehler o.ä.? Wieviele Meningitisfälle kennst Du denn, die direkt auf das CI zurückzuführen sind und die nicht am Positioner lagen und bei geimpften Patienten vorkamen, und wieviele im Vergleich dazu, die sich ohne CI ereigneten?
Ich sage nicht, daß ein CI risikolos ist, aber so wie es hier im Thread dargestellt wird, ist es wirklich realitätsfern.
Viele Grüße von Silke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Nov 2010 22:13 #21372 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo ihr beiden,

streitet Euch wegen den Statistiken nicht. Wir können uns sicher darauf einigen, dass es auf beiden Seiten zu Vorkommnissen gekommen ist. Ich kann mich erinnern schon zwei mal im Taubenschlag Nachrufe gelesen zu haben, weil gl Jugendlichen von Zügen überfahren wurden. Und leider, Silke, gab es in diesem Jahr mindestens einen schwerwiegenden Meningitisfall in der MHH, den der Betreffende knapp mit Folgeschäden überlebt hat und er hatte keinen Positioner, er war auch geimpft, wobei man sich noch drüber streitet, ob die Impfung nicht mehr wirksam war, weil sie zu lange zurück liegt oder ob er einen Keim erwischt hat, der nicht abgedeckt war, denn den hat man nicht identifizieren können, weil in dem vorherigen KH schon Antibiotika gegeben wurden. Die Pneumovax-Impfung deckt nur einen Teil der Stämme ab. Man kann das nicht gegeneinander aufwiegen. Beide Risiken sind klein, aber eben nicht gleich null. Und es gibt auch immer einige, die da die A*karte ziehen.

B.t.w. Maike, die Statistik würde mich auch mal schwaz auf weiß interessieren, in der steht, das GL weniger Unfälle bauen, denn ich hatte letzte Woche auch eine Situation, bei der ich ohne CI in Gefahr geraten wäre, denn hier sausen die Rettungsdienste so über die rote Ampel und zwar ohne nach links und rechts zu gucken, ob ein transusiger oder halt hörbehinderter Autofahrer nichts checkt. (Und ich trage auch nicht immer das CI beim Autofahren, zumindest in Deutschland nicht)

Ich bitte Euch, die Bewertung der Risiken den Eltern zu überlassen. Das Leben ist nicht risikolos und manche Eltern empfinden das Nicht-Hören-Können eben nicht als nicht so schlimm, dass man da operieren müsste.

Gruß
Andrea

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Nov 2010 23:18 - 05 Nov 2010 23:20 #21374 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Maike, ich kann nur unterstreichen, was du geschrieben hast. Man kann nie von einer echten Entscheidung für oder gegen das CI sprechen, wenn man ein Kind taub aufwachsen lässt, weil der mögliche Gewinn vom CI im Kleinkindalter sehr viel höher ist als in einem Schul- oder Erwachsenenalter. Das ist einfach ein Faktum, an dem es nichts zu rütteln gibt.

Silke, nicht böse sein, wenn ich ein klein wenig widerspreche, aber Kleinkinder sind im Straßenverkehr immer gefährdet, egal ob gehörlos oder hörend. Selbst hörende Schulkinder werden wegen Unachtsamkeit von Autos angefahren. Ich bin erst vor ca. zwei Jahren mit dem Auto durch mein Heimatdorf, eine 30km/h-Zone, gefahren. Ich sah weiter vorne am Straßenrand Kinder im Alter von 12 bis 14 Jahren (die Kinder waren mir bekannt), drosselte sichterheitshalber die Geschwindigkeit noch mehr, fuhr aber weiter. Und plötzlich kam ein 10-jähriger Junge (mir ebenfalls bekannt) aus einer für mich nicht einsehbaren Ecke herausgeschossen und sauste in 1 m Entfernung vor meinem Auto über die Straße. Ich habe sehr scharf gebremst und kam sofort zum Stehen; nur 10 Stundenkilometer mehr und ich hätte ihn garantiert erfasst. Ich habe einen riiiesigen Schrecken bekommen, die Kinder übrigens auch. Der Junge hat meine Mutter seither übrigens nicht mehr gegrüßt, wenn sie mit den Hunden spazieren ging. :huh:

Andrea, wenn ich taub auf den Straßen unterwegs bin, gucke ich viel mehr nach links und rechts als mit CI, nachdem ich schon einmal einen Krankenwagen mit Martinshorn übersehen habe. Mir ist es aber schon passiert, dass ich gerade mitten auf der Straße war und plötzlich einen Krankenwagen hörte. Da hatte ich mein CI allerdings in Betrieb, ich hörte den Krankenwagen, rannte an den Straßenrand und als ich mich umdrehte, sah ich den Krankenwagen dann auch über die Straße sausen. Ich gehe aber davon aus, dass die Leute, die am Steuer sitzen, auch Augen im Kopf haben... schließlich könnten auch altersschwerhörige Menschen die Straße überqueren.

Es ist aber auch so, dass die Risiken einer CI-OP viel zu sehr dramatisiert werden. Ich würde aber Risiko-OPs ohnehin nur von erfahrenen Chirurgen durchführen lassen, dazu gehören für mich auch OPs bei Kleinkindern und Kindern, wo die Eltern die Entscheidung treffen müssen.

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 05 Nov 2010 23:20 von Gudrun.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
05 Nov 2010 23:20 - 05 Nov 2010 23:21 #21375 von Gudrun
Gudrun antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
gelöscht wegen Doppelposting

gehörlos geboren, mit 2 HG aufgewachsen, jetzt CI rechts seit 09/2007 (erst Freedom, dann Nucleus 5), HG links
Letzte Änderung: 05 Nov 2010 23:21 von Gudrun.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Nov 2010 16:37 #21377 von Lilith
Lilith antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
ich finde es schon interessant, was ihr so sieht :)

Ist es ein Weltuntergang, wenn man nichts hört?
Eine spontane Frage und bitte auch ein spontanes Antwort, das grad in euren Köpfen vorschwebt.

Ich erzähle mal was interessantes:
Meine Freundin hat eine Tochter und sie wurde sehr früh mit HG versorgt. sie ist an taubheit grenzend schallempfindungsschwerhörig.
Sie kann aber viel besser sprechen als mein Sohn, der aber mittelgradig sh ist. Er bekommt jede Woche die Frühförderung.
Es liegt einfach dran, dass dieses Mädchen die hörende Großeltern hat, die sie täglich sieht.

Meine Familie ist gehörlos sowie die Familie meines Mannes auch. Ich wuchs in einer Umgebung auf, wo ich nie das Gefühl habe, benachteiligt zu sein.
Ich wurde immer 100% verstanden sowie ich verstand auch 100% was die anderen gebärden. Ich vermisse das Hören nicht. Ich brauche es nicht.
Ich verspüre keine Bedürfnis, was hören zu wollen.
Mein Mann ist Chef in einer Abteilung und mein Vater ist Diplom Physiker. Sie haben das alles sehr gut gemeistert trotz Gehörlosigkeit.


Ich glaube, wenn mein zweiter Sohn CI bekommen wird, wird er zwar besser hören als mit HG abeeeer ich glaube nicht, dass er besser sprechen lernen kann.
Das hat mich zum Denken gegeben.

Das mit Autounfall. Ich erziehe mein Sohn so, dass er immer aufpassen muss und ich zeige ihn immer, wo er stehen MUSS und wo er schauen MUSS.
und jetzt läuft er nicht mehr einfach über die Straße( In der Zeit, wo er über die Straße lief, war ich immer neben ihm), sondern steht brav und wartet bis kein Auto zu sehen ist.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Nov 2010 17:27 #21378 von andrea
andrea antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,

dein älterer Sohn ist erst zwei einhalb Jahre alt. Normalhörende Kinder können in dem Alter oft auch noch nicht sehr klar sprechen. Das kommt noch! Da ihr zu Hause mit ihm auch nicht so viel üben könnt, würde ich mich mal erkundigen, ob er neben Frühförderung zusätzlich auch noch Logopädie bekommen kann. Eine Bekannte von mir ist selbst auch mittelgradig schwerhörig und hat gl Eltern. Sie spricht wie Normalhörende und hat das auch über das Gehör und mit ein bischen Logo gelernt. Sie telefoniert auch stundenlang.

Zu Deinem jüngeren Sohn möchte ich nur sagen, dass er mit CI eine ähnlich gute Chance hat wie Dein älterer Sohn, die Lautsprache zu lernen. Ohne CI hat er die Möglichkeit nicht!

Natürlich ist es kein Weltuntergang wenn man nichts hört. Aber ich finde Hören schön. Nicht nur, dass man leichter mit total fremden Menschen kommunizieren kann. Das wäre nur der rein praktische Nutzen des CIs. Es gibt da auch noch die emotionale Komponenete, z.B. Musik, das Rauschen der Blätter im Wind und das Rascheln der Blätter unter meinen Füßen. Und das I-Tüpfelchen am CI ist auch noch, dass ich es abschalten kann, wenn ich mal nicht hören will. Prozessor abnehmen und schon ist Ruhe.

Hören erleichtert den Alltag einfach, z.B. wenn man wenigstens kurze Telefonate führen kann, um z.B. Arzttermine abzumachen, oder dass man beim Arzt, Rechtsanwalt, in der Bank ... keinen Dolmetscher organisieren muss. Beruflich denke ich auch, dass es leichter wird, überhaupt Arbeit zu finden und beruflich aufzusteigen, wenn man hören kann. Man kann natürlich auch als GL beruflichen Erfolg erreichen, aber wahrscheinlich würde man mit Gehör leichter oder weiter nach oben kommen, weil man mehr Netzwerke knüpfen kann. (Fachliches Können allein zählt im Beruf nicht, sondern man muss auch schwatzen können).

Ich denke eben, dass ein CI eine relativ sichere und erprobte Methode ist. Bei gesunden Kindern finde ich es gerechtfertigt ist, sie dem OP-Risiko auszusetzen und sie mit einem CI zu versorgen. Oberste Priorität ist es natürlich, Kindern eine funktionierende Kommunikation anzubieten und auch sonst die Bedürfnisse eines Kindes sicher zu stellen. Wenn all das gewährleistet ist, wovon ich bei Dir mal ausgehe, frage ich mich: Warum sollte Dein jüngerer Sohn nicht ganau wie der Ältere als zusätzliches Geschenk nicht auch noch das Gehör bekommen. Was spricht denn dagegen? Das hat nichts mit Optimierung, Reparatur oder Nicht-Akzeptanz das So-Seins zu tun, sondern ist in meinen Augen eine Chance für das Kind, etwas zu lernen und auch sinnlich zu erfahren, was es ohne Gehör nicht kann.

GRuß
Andrea

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Nov 2010 17:33 #21379 von Rosemarie
Rosemarie antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,
Du möchstest ein spontane Antwort, die gebe ich Dir sofort. Also als ich plötzlich von einem auf den anderen Tag völlig ertaubte, war es für mich schon ein gewaltiger Weltuntergang. Ich war 57 Jahre ganz normsalhörend und plötzlich hörte ich nichts mehr, nur noch ein Dröhnen und Kreischen im Kopf. Am Schlimmsten war es für mich, meine eigene Stimme nicht mehr zu hören, konnte mich nicht mehr kontrollieren! Mein Hund bellte, ich hörte es nicht, meine Katze miaute ,ich hörte nichts, sah nur, dass sie dem Mund aufriss. Mein Nymphensittich konnte so viele schöne Sachen, ich hörte ihn nicht mehr.
Ja mein Besuch bemühte sich zwar, schrieb mir auch mal was auf, aber ein Gespräch war es nicht, nur wirklich mal den einen ohne anderen Satz.
Ich bin ein sehr musikalischer Mensch, plötzlich war das alles für mich gestorben. Viele Leute hier im Ort kennen mich, da ich hier Gemeindeschwester war, ja ich wurde teilweise sogar nicht mal mehr angeschaut.
Ich habe mich immer mehr vergraben, wollte auch keinen mehr sehen. Meine Krebserkrankungen haben mich nicht so erschüttert, wie plötzlich ganz taub zu sein!!!!!
Gebärden, Fingeralphabeth und Mundabsehen habe ich ein bißchen gelernt, kann es hier bei niemanden anwenden, da es niemand sonst kann.
Ich bin total froh, dass ich mit meinen beiden CI´s wieder was hören kann, obwohl es ganz anders ist und ich auch immer schwerhörig sein werde. So ist das Leben für mich echt wieder lebenswert, vorher hatte ich schon sehr düstere Gedanken.

Aber wie geschrieben, ich war normalhörend, hatte mich nie mit Schwerhörigkeit und Taubheit beschäftigt, also keine Ahnung.
Wie es nun jemanden geht, der schon immer GL ist,da kann ich nichts dazu sagen. Aber Hören ist einfach sehr schön, gibt so vieles im Leben, was man so genießen kann.

Dir und Familie liebe Grüße und eine gutwe Entscheidung, Rosemarie.

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Mehr
06 Nov 2010 21:18 #21380 von SilkeA
SilkeA antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Hallo Lilith,
ich kann das nur bestätigen, was Rosemarie und Andrea geschrieben haben, daß Hören offensichtlich große Freude macht. Mein kleiner gehörloser Sohn ist jetzt 15 Monate alt und wurde mit 12 Monaten auf beiden Seiten mit einem CI versorgt. Er hatte vorher 9 Monate lang die Phonak-Naida-UP-Geräte, aber er hat nie eine wesentliche Reaktion gezeigt, obwohl er die Geräte, nachdem wir die Anfangsschwierigkeiten nach etwa 3 Monaten hinter uns hatten, wirklich von morgens bis abends anhatte. Das einzige, worauf er überhaupt reagiert hat, war wenn man direkt hinter ihm "Dududududu" gebrüllt hat. Er hat mit dem ganzen Babyspielzeug, das Geräusche macht, nie gespielt, und er hat überhaupt meist etwas in sich gekehrt gespielt. Seit er mit den CIs hört, macht er mit größter Freude allen möglichen Krach mit dem ganzen Spielzeug, es ist für ihn eine ganze Welt zu entdecken. Er plappert momentan ziemlich viel, und man merkt richtig, daß er sich damit mitteilen möchte. Und was ich fast noch das Schönste finde, ist daß er vom ganzen Familienleben viel mehr mitbekommt als vorher. Holt mein Mann sich einen Kaffee aus der Kaffeemaschine, dann macht die ein Geräusch, und Samuel dreht sich um und findet das spannend. Vorher hat er an der Stelle einfach ruhig weitergegessen. Fällt dem großen Bruder etwas auf den Boden, dreht er sich dahin um und schaut, was los ist. Habe ich die Küchenmaschine an, kommt er und möchte schauen, was ich da mache. Wenn Ihr alle gehörlos seid, dann habt Ihr sicher andere Wege, euch mitzuteilen, aber ich habe es jedenfalls nicht geschafft, mit Samuel irgendwie längere Zeit zu kommunizieren, während ich z.B. Küchenarbeit gemacht habe. Jetzt ist er allein durch die Geräusche viel mehr in seine Umgebung eingebunden als vorher. Du kannst es Dir als Gehörlose wahrscheinlich nicht vorstellen, aber man ist durch das Hören wie in einem stabilen Netz in die Umgebung eingebunden. Wenn man gehörlos ist und es nicht anders kennt, fehlt einem das natürlich nicht. Ich bin auch hochgradig schwerhörig, und mir fehlen auch die Sachen nicht, die ich nicht kann. Aber ich merke, wie groß die Freude unserer Kinder am Hören ist, und das ist für mich sehr schön.
Viele Grüße von Silke

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
07 Nov 2010 23:16 #21381 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
SilkeA schrieb:

Du kannst es Dir als Gehörlose wahrscheinlich nicht vorstellen, aber man ist durch das Hören wie in einem stabilen Netz in die Umgebung eingebunden. Wenn man gehörlos ist und es nicht anders kennt, fehlt einem das natürlich nicht.


Liebe Silke,

und doch: Der Vergleich hinkt, denn gehörlose Familien haben andere Wege, durch die genau dieses stabile Netz auf andere Weise - und mit anderen Möglichkeiten entsteht.

Es geht mir NICHT darum, das eine gegen das Andere aufzuwiegen, darum geht es mir nicht, denn man kann das gar nicht - und das würde auch nie klappen, denn es sind so unterschiedliche Wege. Ich bin dankbar, dass es Samuel so gut geht mit seinen CI's und freue mich - wie Du ja weißt - sehr dankbar darüber! Es gibt keinen besseren Weg für Samuel als den, den Ihr eingeschlagen habt.

Wenn man gehörlos ist, dann fehlt einem die Musik, die Stimme etc. nicht - das stimmt - und man hat es in gewissen Dingen schwerer. In anderen Dingen hat man es leichter. Aber das mit der Aufmerksamkeit und dem stabilen Netz - das sind wirklich zwei verschiedene Paar Stiefel!

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

  • Maike
  • Maikes Avatar
  • Besucher
  • Besucher
07 Nov 2010 23:35 #21382 von Maike
Maike antwortete auf das Thema: Aw: Gibt es kein Arzt, der neutral ist?
Lilith schrieb:

Ist es ein Weltuntergang, wenn man nichts hört?


Hallo Lilith,

Gegenfrage: Ist es ein Weltuntergang, wenn man hört? ;)

==> Weder das Eine noch das Andere ist ein Weltuntergang! :dry:

Lilith schrieb:

Meine Freundin hat eine Tochter und sie wurde sehr früh mit HG versorgt. sie ist an taubheit grenzend schallempfindungsschwerhörig.
Sie kann aber viel besser sprechen als mein Sohn, der aber mittelgradig sh ist. Er bekommt jede Woche die Frühförderung.
Es liegt einfach dran, dass dieses Mädchen die hörende Großeltern hat, die sie täglich sieht.


Wie alt ist denn die Tochter? Kleine Kinder können sowieso nicht wirklcih deutlich sprechen - sie lernen es erst. Egal ob sie hören oder schwerhörig sind.

Lilith schrieb:

Meine Familie ist gehörlos sowie die Familie meines Mannes auch. Ich wuchs in einer Umgebung auf, wo ich nie das Gefühl habe, benachteiligt zu sein.
Ich wurde immer 100% verstanden sowie ich verstand auch 100% was die anderen gebärden. Ich vermisse das Hören nicht. Ich brauche es nicht.
Ich verspüre keine Bedürfnis, was hören zu wollen.


Das ist doch prima! Es zeigt doch nur, dass es DIR gut geht damit. Auch ich bin gehörlos geboren und habe das Hören nicht vermisst. Ich habe das Hören nicht gekannt. Ich habe nur vermisst, z.B. in der Familie oder auch woanders immer alles verstehen zu können (ich bin in einer lautsprachlichen Familie aufgewachsen). Das Verstehen habe ich immer wieder vermisst - aber nicht das Hören.

Jetzt - mit CI - kenne ich das Hören. Bestimmt kenne ich es nicht so wie ein Normalhörender. Aber ich kann sagen: Heute würde ich das Hören sehr vermissen, wenn plötzlich meine CI's kaputt wären. Begründung:
=> Das Ablesen ist viel leichter geworden.
=> Ich verstehe viel mehr Menschen als vorher.
=> Ich muss nicht mehr so viel kämpfen mit dem Verstehen wie vorher.
=> Ich liebe die Musik. (Vorher war mir Musik voll egal!)
=> Ich kann zum Teil telefonieren (vorher konnte ich null telefonieren).
=> Viele Geräusche sind spannend (zum Beispiel das Vogelsingen, zum Beispiel der Regen - oder auch das Rauschen des Baches...)

Klar war es für mich kein Weltuntergang, nicht zu hören. Ich habe Abitur gemacht ohne zu hören, ich habe studiert ohne zu hören, ich habe mein erstes und zweites Staatsexamen ohne zu hören gemacht. Ich konnte super ablesen, ich kann auch gut DGS. Im Studium habe ich DGS-Dolmetscher gehabt. Dafür war ich sehr dankbar. Nur so konnte ihc bei Diskussionen mitmachen.

Lilith schrieb:

Mein Mann ist Chef in einer Abteilung und mein Vater ist Diplom Physiker. Sie haben das alles sehr gut gemeistert trotz Gehörlosigkeit.


Klar - Gehörlose sind auch nicht "dümmer" als Hörende, sondern mindestens genauso "schlau". B)

Lilith schrieb:

Ich glaube, wenn mein zweiter Sohn CI bekommen wird, wird er zwar besser hören als mit HG abeeeer ich glaube nicht, dass er besser sprechen lernen kann.
Das hat mich zum Denken gegeben.


Warum glaubst du, dass er nicht besser sprechen lernen kann?

Ich kenne durch meinen Beruf gehörlose Kinder von gehörlosen Eltern, die mit CI sehr gut sprechen gelernt haben - so gut wie Normalhörende. (!!!) Obwohl in der Familie DGS gesprochen wird.

Nicht alle Kinder lernen mit CI hören und sprechen. Das ist unabhängig davon, ob in der Familie DGS oder LS gesprochen wird. Aber die meisten Kinder lernen viel leichter hören und sprechen mit CI als ohne CI. Das CI ist wie ein viel besseres Hörgerät. Nur leider mit OP...

Ich bin mir sehr sicher: Wenn dein zweiter Sohn keine zusätzlichen Störungen hat und ihr Euren Sohn in DGS gut fördert und er eine gute Logopädie und Frühförderung bekommt, wird ihm das CI sehr helfen können im Sprechenlernen. Es wird einfach viel leichter werden zum Sprechenlernen als ohne CI.

===> Das Problem ist: Du / Ihr müsst euch selber entscheiden, was ihr wollt. Wir können hier nur raten. Entscheiden müsst ihr selbst.

Ich liebe die DGS, ich mag meine beiden CI's - ich mag aber auch die Stille und die Ruhepausen ohne CI. Ich bin dankbar, dass ich das alles haben kann. B)

Grüßle
Maike

Bitte Anmelden oder Registrieren um der Konversation beizutreten.

Moderatoren: ChrisHSusanneHerms
Ladezeit der Seite: 0.329 Sekunden
Powered by Kunena Forum