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Samstag, 15. Dezember 2018
Renate Löhr

Auf dem Weg zur Anschaffung einer FM-Anlage im Rats- und Bürgersaal der Gemeinde Wedemark, 25 km nördlich von Hannover mit ca. 29.000 Einwohnern, waren mehrere Schritte zu gehen.

Renate Löhr

Erfahrungsbericht

von Renate Löhr, veröffentlicht in CI-IMPULSE 01/2011

Der Weg zur Anschaffung einer FM-Anlage

Auf dem Weg zur Anschaffung einer FM-Anlage im Rats- und Bürgersaal der Gemeinde Wedemark, 25 km nördlich von Hannover mit ca. 29.000 Einwohnern, waren mehrere Schritte zu gehen.

1. Schritt: Die persönliche Erfahrung.

Ich, seit 2007 massiv hörgeschädigt und mit einem CI ausgestattet, nahm im Frühjahr 2009 an einer Ratssitzung im Bürgersaal unserer Kommunalgemeinde teil. Dabei erlebte ich, dass ich im Grunde kein Wort verstand. Menschen wie ich waren also automatisch ausgeschlossen aus den Diskussionen um Entscheidungsfindung im politischen Bereich, aber natürlich auch im kulturellen Bereich, denn das Bürgerhaus wird umfassend genutzt.

2. Schritt: Die Erkenntnis

Das neue Bürgerhaus ist gut für Behinderte mit eingeschränkter Mobilität ausgestattet – Auffahrrampe, Lift, Behindertentoilette. Aber die Hörbehinderten hatte man trotz der großzügigen Akustikeinrichtungen nicht berücksichtigt. Ich gehe davon aus, dass dieses Defizit aus Unkenntnis entstanden ist.

3. Schritt: Das Bewusstmachen

Frustriert fuhr ich nach Hause. Enttäuscht fühlte ich mich als Bürger zweiter Klasse, nicht als vollwertiges Mitglied meiner Kommunalgemeinde.

4. Schritt: Das öffentliche Benennen

Ich dachte an die vielen Hörbehinderten, die wie ich ohne Chance sind, am öffentlichen gesellschaftspolitischen Leben unserer Gemeinde teilzuhaben und es öffentlich mitzugestalten. Diese Tatsache teilte ich dem Bürgermeister, Tjark Bartels, mit.

5. Schritt: Die Bitte um Abhilfe

Ich stellte Bürgermeister Bartels das Problem dar. Ich bat um Maßnahmen zur Integration und Teilhabe von Hörbehinderten.

6. Schritt: Das Handeln

Herr Bartels hat, Gott sei Dank, ein offenes Ohr für die Belange von Behinderten und von Kindern. Das hatte ich schon im Zusammenhang mit dem Neubau der IGS 2009 erfahren, bei dem ich mich für Integration von behinderten Schülern mit Erfolg stark gemacht hatte. Er erkannte das Akustikproblem im Bürgersaal und versprach die Nachrüstung durch eine geeignete Anlage. Im Rathaus wurde die Finanzierung geklärt. Ich wurde gebeten, bei dem Entscheidungsprozess um die ‚richtige' Anlage mein Wissen und meine Erfahrung einzubringen. Zusammen mit Rolf Erdmann, dem ersten Vorsitzenden des DSB-Niedersachsen, haben wir der Gemeindeverwaltung Hörtests und technische Informationen zu verschiedenen Höranlagen gegeben. Die tragbare, vielfach einsetzbare FM-Anlage, die wir bevorzugt hatten, wurde gekauft. Und am 30.8.2010 habe ich sie zum ersten Mal bei einer Ratssitzung genutzt. Es war ein wunderbares Erlebnis: Ich konnte (fast) jedes Wort verstehen.

7. Schritt: Das Weitersagen und das Nutzen

Die Gemeindeverwaltung stellt die Information über das Vorhandensein der FM-Anlage ins Internet. Multiplikator ist weiter vor allem die Presse, aber auch und besonders das Weitersagen. Wir erwarten, dass die FM-Anlage vielfach genutzt wird und immer mehr Hörbehinderte sich über Integration und Teilhabe freuen.

8. Schritt: Die Hoffnung

Wir hoffen sehr, dass viele Gemeinden dem Vorbild Wedemarks folgen werden.

9. Schritt: Der Dank

Eine kleine Dankesrede habe ich am 30.8.10 in der Ratssitzung gehalten:

Dankesworte

Lieber Herr Bartels, meine Damen und Herren!

Im Namen der schwerhörigen, hörgeschädigten und ertaubten Menschen in unserer Wedemark stehe ich hier. Wir möchten danken. Sie haben Hörhilfen erworben. Mit diesen FM-Anlagen, Frequenzmodulationsanlagen, erleichtern Sie uns das Hörverstehen in größeren Räumen und unter mehreren Menschen. Sie wirken damit der Ausgrenzung von uns Behinderten entgegen – denen, die nicht mehr alle fünf Sinne beisammen haben. Es tut uns gut zu erleben, dass wir mit unserem Ohrdefekt ernst genommen werden. Und ein Stück Integration erfahren. All inclusive – nicht: all exclusive!

Unser gemeinsames Ziel ist barrierefreies Leben. Schritte dahin haben Sie getan in diesem Haus. Zunächst für Rollstuhlfahrer: Rampe, Toilette, Lift. Und jetzt für Hörbehinderte mit dieser FM-Anlage. Wir bekommen die Chance zur gleichberechtigten Teilhabe am politsch-kulturellen Geschehen und zur Mitgestaltung hier bei uns. Ich hoffe und wünsche, dass viele Hörbehinderte diese Chance nutzen. ‚Nicht sehen Können trennt von den Dingen; nicht hören Können trennt von den Menschen', hat Helen Keller gesagt. Hier in diesem Haus kann aus Trennung Miteinander werden.

Stellvertretend für alle, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben, danke ich Frau Beckedorf und Herrn Hesse. Ganz besonders danke ich unserem Bürgermeister, Herrn Bartels, für sein offenes Ohr. Wir Behinderte haben in ihm einen engagierten Fürsprecher. Als kleines Zeichen des Dankes möchte ich jedem von Ihnen eine weiße Rose überreichen.

Gespräch über das Thema Integration und Teilhabe

Am 27.9.2010 habe ich mit Bürgermeister Tjark Bartels und seiner Vertreterin Konstanze Beckedorf ein Gespräch über das Thema Integration und Teilhabe aus Anlass der Anschaffung der FM-Anlage für den Ratssaal geführt.

Frage R. Löhr: Warum ist die Entscheidung für die Hörhilfe gefallen? Es hätte doch auch viele andere Einsatzmöglichkeiten für behinderte Menschen in der Wedemark gegeben?

Antwort T. Bartels/K. Beckedorf: Es gibt eine ganze Reihe von Menschen, die hörgeschädigt sind. Diese Menschen können kaum am politischen und gesellschaftlichen Leben teilhaben, weil sie in allen öffentlichen Sitzungen den Redebeiträgen nicht folgen können. Dies ist eine große Benachteiligung.

Frage: Wie ist es zu dem günstigen Preis gekommen? (3000.- Euro)

Antwort: Es wurden bei mehreren Fachfirmen Angebote eingeholt. Eine regionale Firma gab das günstigste ab und erhielt dann den Auftrag.

Frage: Kann die FM-Anlage nur im Ratssaal eingesetzt werden?

Antwort: Die FM-Anlage ist transportabel und auch an anderen Sitzungsorten einsetzbar. Sie kann auch bei Lesungen und Kulturveranstaltungen genutzt werden.

Frage: Kann die Anlage auch erweitert werden?

Antwort: Die Anlage ist jetzt mit sechs Empfängern ausgerüstet, sie kann aber bei Bedarf jederzeit erweitert werden.

Frage: Ist es ein Problem für die Ratsmitglieder, dieses Gerät zu benutzen?

Antwort: Nein! Nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man eigentlich gar nicht mehr bemerkt, dass das Gerät mitläuft.

Frage: Wer ist für diese Entscheidung zuständig gewesen? Musste der Rat zustimmen?

Antwort: Nein. Solche Entscheidungen sind Verwaltungsentscheidungen. Der Rat wäre erst bei weit höheren Summen zu beteiligen gewesen.

Frage: Woher kommt die finanzielle Förderung?

Antwort: Gemäß §14 Abs.1 NBGG erhalten für die Wahrnehmung der Aufgabe die Landkreise, die Regionen und die kreisfreien Städte vom Land Niedersachsen eine jährliche Zuweisung. Die Regionskasse überweist uns aus diesem Förderbetrag einen Zuschuss, der im letzten Jahr 2.622.- Euro betrug. Die Zuweisung erfolgt nach dem Verhältnis der Einwohnerzahlen.

Frage. Was würden Sie einem hörgeschädigten Bürger empfehlen, um mit seinem Anliegen Gehör zu erhalten?

Antwort: Oft sind diese Hörprobleme sicher nicht bekannt. Es kann sehr hilfreich sein, sowohl die Verwaltung seiner Wohnortgemeinde darauf aufmerksam zu machen, als auch die örtlichen Politiker anzusprechen. Oftmals besteht durchaus der Wille zur Hilfe, wenn eine Problemlage bekannt ist.

Frage: Bewegt Sie beide eine besondere Motivation, Geld in diese Bereiche zu investieren?

Antwort: Es ist uns beiden wichtig, dass alle Menschen, unabhängig von ihrem Lebenshintergrund oder ihrer Behinderung, am öffentlichen und politischen Leben intensiv teilnehmen können. Das ist für alle Seiten sehr bereichernd. Es kann nicht richtig sein, dass jemand auf Grund seiner Behinderung außerhalb der Gesellschaft steht.

Frage: Wo engagiert sich die Gemeinde an anderer Stelle für Integration?

Antwort: Wir haben vor kurzem eine zweite integrative Kindergartengruppe eingerichtet. Wir bemühen uns sehr darum, dass möglichst alle Kinder unsere Schulen besuchen können und kein Kind ausgeschlossen oder abgeschoben wird. So werden wir bei unserem Neubau des Schulzentrums darauf achten, dass Integrationsklassen möglich sind.

R. Löhr: Ich danke Ihnen für dieses Gespräch und die Zeit, die Sie sich dafür genommen haben.

Renate Löhr

(Kontaktaufnahme möglich über die HCIG)

 
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